72 Am fünften Sonntage nach Trinitatis.
ruft, und nimmt Ihn gastfreundlich auf, als Er ihm zu erken-nen gibt, Er wolle bei ihm cinkehren. Da erwachen im Zakchäusnie empfundene Regungen der -Gewissensangst, und darauf desTrostes. Ec sieht auf seine Unwürdigkcit, und erbietet sich zurWiedererstattung, wenn er fremdes Gut an sich gerissen. Alsjene Sünderinn von Christus hört, geht sie hinzu Ihm, bringtihre Schmerzen vor Ihn, deren Aufrichtigkeit sie mit ihren Thro-nen bezeugt, und vernimmt Seinen Trost. So sind die Veran-lassungen zur Buße gar mannichsach, am gewöhnlichsten aberdie, wenn der Mensch in irgend eine große Roth gcräth; dannfallen ihm seine Sünden ein, mit welchen er diese Strafen ver-dient, und er beginnt in Schrecken und Angst zu gerathen; undaus diesem Grunde eben schickt Gott Strafen, damit die Men-schen sollen zur Buße gerufen werden, wie Paulus sagt: „Wennwir aber gerichtet werden, so werden wir von demHerrn gezüchtigt, auf daß wir nicht sammt derWeltverdammt werden." (1. Kor. 11, 32.) So wird Manassc,jener grausame Tyrann und scheußliche Götzendiener, der die Pro-pheten erwürgt und seine Söhne den Götzen geschlachtet hatte,in die Gefangenschaft weggeführt, und in dieser bekehrt er sichzu Gott, weil ihn nämlich diese Strafe an seine Sünden mahnt,und er nun in schmerzlicher Reue erkennt, durch dieselben dasMißfallen Gottes über sich gebracht zu haben. Bei einer an-dern Veranlassung aber gcrath Petrus in Gewissensangst, näm-lich bei dem Anblick des Wunders, indem er die Größe des ge-genwärtigen Segens betrachtet, und mit demselben seine Unwür-digkeit vergleicht. Denn Gott ist durch dieses Wunder zugleichin ihm selbst wirksam, daß ec erkennt, er, ein so großer Sün-der, sei nicht würdig, daß ihm von diesem Herrn ein solchesGeschenk zu Theil werde. Derselbe Petrus wird bei einer an-dern Gelegenheit während des Leidens zur Buße erweckt, da woChristus ihn nach der Verläugnung anblickt. Da empfindeter auf Einmal die peinlichsten Schmerzen der Gewissensangst, sodaß er hinaus gehet und bitterlich weinet; welche Thränen je-doch zugleich bezeugen, daß in ihm noch ein Fünklcin des Glau-bens glimmt, wie denn der Herr auch früher ihn getröstet hatte:„Ich habe für dich gebeten, daß dein Glaube nichtaufhöre." (Luk. 22, 32.) So findet auch hier eine Mischungder Gefühle Statt. Es zeigt sich im Petrus eine ungeheure Angstund Bestürzung, verbunden mit Furcht und Schmerz bei demBewußtsein seiner Unwürdigkeit, wenn er dieselbe mit diesem