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Evangelium Matth. 15.
ulziermn dargestellt. Sie klagt schmerzlich, daß ihre Tochter vomTeufel beunruhigt werde. Die Heiligen werden zu allen Zeitenschrecklich gepeinigt, weil der größte Thcil des menschlichen Ge-H schlcchts unter Zrrthum und Aberglauben und andern fürchtcrli-' chen Uebeln schmachtet. Fraget auch jetzt nicht die Wahnwitzigen,! sondern die Vernünftigen in der Kirche, welchen Schmer; ihnen
> die Spaltungen in derselben, die Jrrthümec, der Aberglaube un-
! ter dem Menschengeschlechts verursachen! Ich sage von mir inWahrheit, daß ich keinen großem Schmerz habe, als eben diesen,und daß ich gern sterben wollte, wenn ich damit diese traurigenWunden heilen könnte. — Auch wir wollen jene Krankheiten undWunden, an denen die Kirche leidet, uns recht verstellen; dennwo keine Vorstellung von dem Uebel, wo gar keine Empfindungi desselben vorhanden ist, wie mag da Gebet Statt finden? DieHeiligen können nichts Anderes thun, als gleich jenem Weibe zumHerrn rufen: „Herr hilf!" So wollen denn auch wir fle-hen, daß Gott jene Uebel mildere, unsere Wunden heile, undauch hoffen, Gott werde das Seufzen der Ihn Anrufenden cr-' hören und uns Hilfe schenken. Wir wollen nicht unempfindlichbleiben bei den allgemeinen Uebeln, sondern erst unser Heil demHerrn empfehlen, unsere eigene besondere Noth anerkennen, undum Abstellung oder Linderung derselben bitten; sodann aber wol-len wir auch für Andere beten, und in unserm Gebet immer die. ganze Kirche umfassen. Wir wollen denken, wir ständen, wiejenes kananäischc Weib, vor Christo, und Jeder Ihn bitten,daß Ec unsere und der Kirche Wunden heilen möge. Um mich! und Andere zu einem solchen Gebete zu erwecken, lege ich sol-
^ gcnde Verse vor, welche die, so mehr Dichtertalcnt besitzen, ver-
bessern mögen:
Welchen gewaltigen Schmerz empfindet die heidnische Mutter,Wenn des Wahnsinns Gewalt schrecklich die Tochter beherrscht!Gleiche Schmerzen erfassen auch jetzt die bekümmerte Kirche,
Wenn von Wahnsinn beherrscht, Lehrer und Führer sie sicht.
O Sohn Gottes, erhör' uns, erhöre, wen» seufzend wir flehen;
Nirgend erscheint uns Heil, wolltest nicht Du cs verleih'n.Treibe Du ferne von uns der Eiferer wüthendes Toben;
Dein Wort heile je mehr jegliches krankende Herz!
Drückt auch der Zorn des Vaters verdient uns, erscheinen wir AlleGleich den Hunden vor Dir, eine verschuldete Schar;
Doch wie unter dem Tische des Herren das hungernde HündlcinSchüchtern der Brocken harrt, welche die Milde ihm beut;
So wenn gieriger Hunger auch unsere Kräfte verzehret,
Christus! suchen bei Dir wir auch erquickende Kost.
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