Evangelium Matth. 15.
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auch wahrend des Bestehens jener Verfassung keineswegs gänz-lich ausgeschlossen. Von Zeit zu Zeit wurden auch Heiden be-rufen, und was das Verdienst anlangt, so stellt Paulus die^ Heiden den Juden gleich. „Sie sind allzumal Sünder,"spricht er (Rom. 3, 23.); cs findet hier kein Unterschied, kein! Vorrecht Statt. Nicht nur die Heiden, auch die Juden müssenbekennen, daß sie kein Verdienst besitzen, daß sie vor Gott nicht' würdig sind. Im Aeußerlichen zeigte sich bei den Juden etwasmehr Ehrbarkeit, als bei den Heiden. Deshalb vergleicht Chri-stus diese den Hunden, nämlich mit Rücksicht auf den großemsittlichen Verfall, und auf die Unreinheit des äußern Wandelsbei ihnen.
Was aber das Urtheil Gottes anlangt, so „ermangelnAlle," sowohl Juden als Heiden, des Ruhmes, „den sie vorIhm haben sollen, auf daß Aller Mund verstopfetwerde, und alle Welt Gott schuldig sei. Denn Gotthat Alles beschlossen unter die Sünde (den Ungehor-sam), auf daß Ec sich Aller erbarme." (Rom. 3, 19.l» Kap. 11, 32.)
! Da nun aber dem heidnischen Weibe nicht nur ihre Unwür-digkeit vorgehaltcn, sondern zugleich auch die Anfechtung hinsicht-§ lieh der bcsondern Erwählung mit einbegriffen wird, so laßt uns
^ beachten, wie treffend sie antwortet. Sie gesteht zu, daß man
j das Brot der Kinder nicht den Hunden vorwerfen dürfe, d. h.
! sie bekennt, daß sic unwerth und unrein ist, und daß die Juden
ein großes Vorrecht besitzen. Bald aber fügt sie eine Umkehrunghinzu, und indem sie eben jenes Gleichnis zu einer dringendemRechtfertigung ihrer Bitte festhält, verbessert sic, was sie zuge-standen und widerlegt den Schluß des Herrn, der gleich einemgewaltigen Blitzstrahl gegen sie gezückt worden war. „Ja, Herr,"^ spricht sie, „aber doch essen dicHündlein von dcnBro -samcn, die von ihrer Herren Tische fallen." Wiehätte sie sich seiner und gewandter, wie zierlicher ausdrückcn kön-nen? Es war ein sehr hartes Wort: „Es ziemt sich nicht,das Brot der Kinder den Hunden zu geben;" aber siesetzt hinzu, es gäbe eine Ausnahme von der Regel. Schnellgreift sie als Anhaltpunkt für ihre Bitte das Bild von den Hun-den auf, das ihr der Herr entgegen gestellt hat; sie gibt zu, daßsie ein Hündchen, die Juden aber Kinder des Hauses seien.Aber sie bekennt auch ihren Glauben, daß sie wohl um diesesHerrn, nicht um des Gesetzes willen, werde angenommen wer-