Druckschrift 
6 (1830)
Entstehung
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Am Sonntage Rcminiscere,

ner Sündhaftigkeit und Glauben an Christus fordert, magstdu Solches lernen. Ist nun ein Anfang wahrer Buße und Glau-bens, wenn auch ein geringer, geschehen,^ so darfst du dich ver-sichert halten, du werdest nach der Zusage des Evangelium, umChristi willen, von Gott zu Gnaden angenommen werden,und ein Erbe des ewigen Lebens sein; du gehörest also zur Zahlder Auserwähltcn. Und das können auch Andere über dich ur-thcilen, wofern du in diesem Glauben bis zum letzten Hauchebleibest, nach den Sprüchen:Selig sind die Tobten, diein dem Herrn sterben;" und:Sei getreu bis an denTod, so will Ich dir die Krone des Lebens geben!"(Offenb. Zoh. 14, 13. und 2, 10.)

Das Zweite, was bei dieser Zweifelsfrage zu erwägen, ist,daß wir wissen, in welcher Ordnung Gott in uns Bekehrung undGlauben erweckt. Denn eine andere Ordnung hat die Philoso-phie, eine andere das Evangelium. In jener wollen wir erstdurch Erfahrung uns überzeugen, dann folgt der Beifall, und so-wohl in Betreff physischer als moralischer Gegenstände geht aufder Bahn der Philosophie die Erfahrung dem Beifall voran. Aberwas die göttliche Tröstung anlangt, so muß man vorerst das Wort,d. h. die Verheißung mit Beifall aufnehmen, dann folgt das Be-wußtsein des Trostes, wie der Spruch sagt:Nun wir dennsind gerecht worden durch den Glauben, so habenwir Friede mit Gott. (Röm. 5, 1.) Wir empfinden nichteher das freudige Gefühl des Trostes, als bis der Glaube inunfern Herzen begonnen hat. Diese Ordnung wird von Schwär-mern vielfältig verkehrt. Sie führen die Gemüther vom Worteab, und heißen sie innere Eingebungen abwarten. Dann lassensie dieselben in Ungewißheit, bis sie außerordentliche Regungendes Glaubens in sich verspüren, und heißen sie dann erst glau-ben, wenn sie sich dazu gezogen, und widerstrebend dazu gedrun-gen fühlen. Dagegen sollen wir wissen, daß man nicht jene be-sonder» Eingebungen abwarten, noch die Empfindung des Trostesan das Gefühl einer inner» Entrückung oder ungewöhnlicher An-triebe binden, sondern vom Worte Gottes beginnen, das Evan-gelium hören und betrachten müsse, durch welches Gott in unswirksam sein und die Herzen ziehen will. Zugleich sollen wirauch das wahrnehmen, daß wir auch in schweren Anfechtungen,wo wir kaum noch ein Fünklein des Glaubens in uns empfin-den, unerschütterlich auf das Wort uns stützen sollen, wie esdort heißt:Meine Sele harret deö Herrn, und ich