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6 (1830)
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Am Sonntage Rcminisccre.

und dieselben abzulegcn sich ernstlich bemühen. Denn Niemandkann wahrhaft beten mit dem Vorsatz, in seiner Lasterhaftigkeitzu bleiben, und der Glaube und der Vorsatz zu sündigen könnennicht neben einander sein. Darum muß bei jedem Gebet der Ge-danke an Buße und an den Trost des Glaubens sein. Dasmeint jenes Wort des Sirach:Wenn du betest, so zweiflenicht!" (Kap. 7, 10.) d. h., bitte mit Zuversicht, und bitte umVieles und Großes, nämlich was zu deinem Heil, zur Ehre Got-tes, zur Erhaltung der Kirche und des allgemeinen Wohles Nochist. Nächst diesem magst du auch um Bedürfnisse des äußerlichenLebens, sowohl um besondere als allgemeine bitten. Ost jedoch bleibtder Erfolg lange aus. Auch da muß man den Glauben durchdas Gebet und die Verheißungen Gottes stärken:Und ob Erverzieht, sei getrost und harre des Herrn!" (Psalm27, 14.) Auf diese allgemeine Lehre vom Gebet läßt sich nunsehr leicht das Beispiel des kananäischen Weibes anwendcn. Sienahet sich Christo, den sie als den Messias anerkannt. DieNoch, welche sie treibt, gilt ihr anstatt des Befehls. Sie istder göttlichen Verheißung eingedenk, indem sic ChristumDuSohn Davids" nennt. Ein Beweis für ihren Glauben istder Ruf:Erbarme Dich meiner!" Endlich drückt sie auchden Gegenstand ihres Flehens in den Worten aus:MeineTochter wird vom Teufel übel geplagt." Ihr Glaubewächst aber in dem Kampfe, der in seiner Art einzig, in die-ser Erzählung höchst bedeutungsvoll ist; denn ec stellt uns vor-nehmlich

die Anfechtungen des Glaubens bei dem Gebete

sehr anschaulich vor Augen, welche auch uns wohl während desBetens nahen. Erstens:der Herr antwortet ihr nicht."Hiermit wird angedeutct die Verzögerung der Hilfe, mit der ge-wöhnlich die Prüfung verbunden ist, daß es scheint, als ob unsGott versäume, als ob Er nicht für uns Sorge trage, unsererNoch nicht achte. Ein ander Mal wieder scheint der Herr denBittenden zuvor zu kommen. Aber hier hat Sein Schweigen denSchein einer Zurückweisung, die sehr hart ist. Doch das Weibläßt nicht ab mit Bitten; sie läßt sich das in ihrem Herzen glim-mende Glaubensfünkchcn durch diesen Aufschub nicht wie viele An-dere, ertödtcn. Wir, wenn der Erfolg unfern Erwartungen nichtentspricht, oder wenn die Hilfe nicht auf der Stelle kommt, den-ken dann wohl:Siehe, du hast nun schon so viele Jahre ge-