Druckschrift 
6 (1830)
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen
 

Evangelium Johannes 21.

43

Wollte man klügelnd einwenden: Ehrgeiz ist ein Fehler;daher ist's nicht recht, daß uns Paulus ehrgeizig sein heißt: soist zu erwiedern, daß das von ihm in dieser Beziehung gebrauchtegriechische Wort im guten und im Übeln Sinne, sowohl von derTugend, als vom Fehler gebraucht wird. Aber Paulus brauchthier dasselbe vom rechtmäßigen Streben nach Ehre, wobei wirein gutes Gewissen zu behalten streben, und den Beifall guterMenschen, welche die Tugend richtig beurtheilen, uns zu sichernbemüht sind. Der lateinische Ausdruck dafür (ambitio) wird ge-wöhnlich im edlen Sinne gebraucht. Paulus aber behielt mitbesonderer Absicht jenes Wort bei, weil es Ehrgeizige beifälligerund lieber hörten, und weil die klebrigen, welche ehrgeizig sind,dadurch Ehre zu gewinnen suchen, daß sie Vielerlei anregen, wasaußer ihrem Berufe liegt; darum empfiehlt er uns das entgegen-gesetzte Streben, nämlich, daß wir Ruhe lieben und nicht vor-eilig unser» Beruf überschreiten sollen.

Auch ein Augustus, wenn er diesen Ausspruch des Paulusgelesen hätte, würde ihn für das Wort eines weisen Manneserklärt haben.

Im Cicero findet sich das von den Griechen entlehnte Sprich-wort:Du hast Sparta überkommen; schmücke cs." Spartaist hier figürlich für jedwedes Amt, oder Auftrag, oder ehrlichenPosten zu nehmen, dessen Besorgung oder Verwaltung Einemübertragen ist, und der Sinn ist: Hast du eine ehrliche Stel-lung, so benutze sie zur Ausübung der Tugend! So soll einJeder denken, Gott und dem Vaterlande dienen, welche Stel-lung ihm auch angewiesen sein mag, und sich bestreben, daß erin seinem Berufe, sei nun das ihm übertragene Amt ein hohesoder ein niedriges, tüchtig und wacker erfunden werde. Gegenunnütze Vielthuerei sind auch die Aussprüche gerichtet:

Reiten lernte der Reiter, der Sänger die Kunst des Gesanges."und:

Ein Jeder treibe nur die Kunst, die er versteht."

Phalaris sagte zum Simonides:Ich höre, daß du viel übermeine Regierungsweise sprichst; möge jedoch der Dichter um seineMusen nur sich kümmern." Aristoteles behauptet, dann würdendie Staaten glücklich sein, wenn die Künstler nur über ihreKünste urtheilen würden. Der Kaiser Hadrian bcrathschlagte sichüber den Bau eines Tempels in Rom, und wollte den Scheinhaben, Alles zu wissen, und übergab daher auch den Baukünst-