44 Am Tage Johannes deL Täufers. Evangel. Johannes 2l.
lern einen Riß des Gebäudes; aber einer derselben wies ihn mitden Worten zurecht: „Geh, male deine Kürbisse!" Beleidigtdurch diese Freimüthigkeit, ließ er denselben hinrichten.
Der ägyptische König Patientius nahm folgende Zurechtwei-sung eines Tonkünstlers an: „Etwas Anderes ist das Scepter;etwas Anderes das Plektrum"*); d. h. verrichte du, was deinReich angeht, mich laß die Musik treiben. — —
Schon in geringfügigen Dingen bringt die unnütze Vielthne-rei manche Nachtheile; gefährlicher aber ist sie in wichtigen An-gelegenheiten, bei Erregung von Glaubensstreitigkeitcn, bei Verän-derungen des Lehrbcgriffs, bei Anordnung kirchlicher Verhältnisse,bei der Staatsverwaltung, bei ausbrechenden Kriegen. — Aberauch im wissenschaftlichen Leben empfindet man zuweilen die Nach-theile, welche jene Vielthuerei begleiten, wenn man von derOrdnung abweicht, die man beim Lernen beobachten sollte. Denngar oft geschieht uns, was Sencka sagt: „Das Wesentlichewissen wir nicht, weil wir das Unwesentliche gelernt haben."
Größere Nachtheile aber begleiten die Vielthuerei in öffent-lichen Geschäften. Viele verlieren, was sie vorher besaßen, weilsie, von jenem Fehler hingerissen, Kriege erregten. — Die Mehr-zahl aber geht in unglücklichen Unternehmungen zu Grunde. —— Ein gewisser moskowitisck^r Fürst führte mit einem AndernKrieg. Er bekam ihn gefangen, ließ ihn hinrichten, und ausseinem Hirnschädel einen Becher fertigen, mit der Inschrift:„Dieser verlor, indem er nach fremdem Gute trachtete, sein Ei-genthum." Auf solche Beispiele laßt uns achten, und bedenken,daß Gott, wie Er denen, welche Ihm in ihrem Berufe die-nen, Seinen Beistand verheißen hat, so auch im Gcgentheil Sichvon denen wendet, welche ihrem Berufe entgegen fremde Dingeunternehmen.
*) Der Griffel, dessen man sich beim Cithcrspiel bediente-