Druckschrift 
6 (1830)
Entstehung
Seite
39
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Evangelium Johannes 21. 39

Plutarch hat ein für Jünglinge empfehlenswertes Buchüber diesen Fehler geschrieben. Wir verstehen unter einemVorwitzigen einenHans in allen Gaffen, der Niel zu thun ha-ben will, und ist ihm doch Wenig besohlen." Dergleichen sindAlle, die nach Dingen fragen, welche sie nichts angchen, undvon denen es heißt:Viel Fragen macht Einen verhaßt."

Meide de» lästigen Frager, denn Solcher ist stets auch einSchwätzer."

Weit mehr aber sind Vorwitzige die, welche thun, was ih-nen nicht befohlen ist. Petrus nenntvorwitzige Bischöfe" die,so in ein fremd Amt greifen," wie wenn Prediger politischeGeschäfte an Höfen oder in Städten leiten, oder weltliche Macht-haber ihre Macht auf die Kirche ausdehncn und die Religionnach ihren Urtheilen gestalten wollen. Im Aristophanes heißt esvom Kleon, er habe gewöhnlich den einen Fuß in der Naths-versammlung, den andern im Feldlager. Diesen Ausspruch pflegeich immer auf die Prediger überzutragen, welche zugleich auchHofangelegenheiten oder Rathssttzungen leiten wollen. DennSolche setzen in Wahrheit den einen Fuß auf die Kanzel, denandern auf das Rathhaus. Von dem nämlichen Kleon sagtAristophanes:

Immer ist er geschäftig, bcrathschlagt, sicht mit der Zunge."

Dasselbe thun gewisse unruhige Prediger; sie reizen Parteienauf, erregen Händel, schmieden Anschläge, verkleinern, schmähenAndere, und zwar dieses oft in Angelegenheiten, welche ihremeigenthümlichen Berufe gänzlich fremd sind.

'Im gemeinen Leben nennt man Vorwitzige auch Solche, die,indem sie das Nothwendige unterlassen, mit unnöthigen Dingensich abgeben, wie der Mensch gewöhnlich das Nothwendige ver-säumt, wenn er Unnöthiges treibt. Eigentliche Geschäfte sinddie nothwendigen Werke, welche die Hauptsache sein sollen. Ne-bengeschäfte, die nicht nothwendigen, welche nicht dem wesent-lichen Berufe angehören. Seneka schildert diesen Fehler,wenn er sagt:Ein großer Theil des Lebens geht uns durchNichtsthun, ein größerer durch Uebelthun, der größte durch Ge-schäfte verloren, die unfern wahren Zwecken fremd sind."

Es ist aber dieser Fehler entgegengesetzt der geordneten, nütz-lichen Thätigkeir, welche Tugend darin besteht, daß man die ei-genthümlichen Geschäfte seines Berufes getreulich verrichtet, den-selben nicht überschreitet (gleichwie das emsige Vienlein die ihm