Druckschrift 
6 (1830)
Entstehung
Seite
38
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Am Lage Johannes des Täufers.

Gabe Gott danken, den Staat glücklich preisen und Gottbitten, daß Er viele tüchtige Förderer Seines Reichs ausrüstenwolle. So benimmt sich Jonathan gegen David. Er weiß,daß kein Mensch das Reich des Volkes Gottes an sich reißendürfe, sondern daß Der es erhalten werde, dem es Gott nachSeinem Rathschlusse übergeben werde. Da er nun sicht, daßDavid von Gott zur Regierung dieses Reichs berufen ist, weichter ihm mit Freude, und dankt Gott, daß Er den Würdigemund Geschicktem gewählt hat. Ja, er unterwirft sich sogar dem >

David, hangt mit Liebe an ihm, und nimmt ihn gegen den l

tyrannischen Vater in Schutz. Ein ähnliches Beispiel hat die ,

Geschichte kaum aufzuweisen. Denn in der Regel ist cs wohl, !

wie jener Vers sagt, daß: P

Gold und köstliche Habe wohl schenkt der Freund seinem Freunde,

Doch ist selten der Freund, der willig ihm weiche am Geiste,

Und in der Herrschaft Besitz."

Ihr seht es in den evangelischen Kirchen, wie selten da, un- egeachtet sie mit vielen und mannichfachen Gefahren umringt sind, ^Beispiele ähnlicher Tugend selbst unter den Genossen des näm-lichen Berufes sich finden; wie wenig Städte es gibt, in denen !eine solche Einstimmigkeit der Lehrer besteht, daß nicht Spurendes Neides sich zeigten. Weit mehr Oerter gibt's, wo offenba-rer Haß, Feindschaft, Verkleinerung, Schmähsucht, Beleidigun-gen hervortceten, und nirgends fehlt cs an Solchen, die stetsbereit sind, ihre Klauen in die wunden Stellen Anderer zu schla-gen und die Gemüthcr zu erbittern, auf welche jener Vers desLukanus anzuwendcn ist:

Lauernd umschleicht er das Herz, und fügt zum glimmenden Grolle

Lodernde Flamm'."

Das ist aber nicht christlich. Wahrhaft fromme Christensollen weder mit Andern an gehässiger Gesinnung wetteifern, nochden Haß Anderer entstammen. Vielmehr sollen wir stets geneigtsein, Friede und Versöhnung zu stiften, entzweite Gcmüther festvereinigen, und gegenseitiges Wohlwollen unter den Menschennähren. Denn wer Zwietracht unter Brüder säet, ist demHerrn ein Gräuel. t

Von dem Vorwitz.

Aber reden wir nun auch vom Vorwitz, welchen Christusgleichfalls tadelt, und mit den Worten zurückweist:Wasgehet das dich an? Folge du Mir nach!"