Evangelium Johannes 21.
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Versuchungen bemerken, dann werden sie entweder verzagt undungeduldig, oder sie entbrennen in Eifersucht und Mißgunst ge-gen Andere.
Wenn du siehst, daß die dir verliehenen Gaben denen denPropheten und Aposteln ertheilten nicht gleich sind, und daß duihre erhabenen Tugenden oder die erfolgreichen Thaten Anderernicht nachahmen kannst, so bekümmerst du dich, und zweifelst,ob du Gott gefällst, ob Er auf deiner Laufbahn mit dir seinwolle. Oder es wird ein wackerer Seelsorger nebst seiner Fami-lie von seinem stillen Herde vertrieben. Dieser denkt: Ich habemich um die Kirche so verdient gemacht, und werde dennoch ver-worfen? Warum schickt Gott mir, der ich mir solche Ver-dienste erworben, der ich schon das Alter angetreten habe, solcheAnfechtungen, wahrend Andere, weniger Verdiente, Wohlleben,Ehre, Gemächlichkeit genießen?
So wundern wir uns, wenn wir dir Geschichte lesen, war-um Gott das Königreich dem David, und nicht vielmehr demJonathan gibt, der doch noch bei Lebzeiten seines Vaters wirk-lich König, und zwar nicht dem Namen nach, sondern in derThat war. Und dennoch wird er des Reichs beraubt, und kommtin der Schlacht um. So nimmt es uns gleichfalls Wunder,warum David sein ganzes Leben hindurch unausgesetzt mit Müh-seligkeiten und Anfechtungen zu kämpfen hat, da er doch bekannt-lich Gott wohlgefällig war; warum man nicht vielmehr meinenmüsse, der Tyrann Tiberius sei von Gott mehr geliebt worden,da ihn gemächliche Ruhe bis ans Ende seiner Regierung undseines Lebens begleitet hat?
Diese Untersuchung füllt den ganzen Prediger Salomo'Saus; denn ec klagt, daß durch die Ungleichheit der menschlichenSchicksale epikurischer Wahn bestätigt werde, und wenn Gutenund Bösen gleiches Glück widerfahre, ja wenn den Bessern oftmehr Ungemach treffe, den Schlechtem mehr Glück zu Theilwerde, so frage zweifelnd die menschliche Vernunft, ob eine gött-liche Vorsehung sei?
Gegen diese Schwachheit und Verzagtheit der Seele nun sollman die Regel festhalten: „So Ich will, daß er bleibe,bis Ich komme, was gehet es dich an?" Laß dich nichtirre machen durch die Ungleichheit der Berufung, der Gaben, derSchicksale, der Anfechtungen Anderer! „Folge du Mir nach!"Wir wollen daher den Glauben, der uns gewiß macht, daß wirGott wohlgefällig, ein Gegenstand seiner Fürsorge sind, von allem
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