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6 (1830)
Entstehung
Seite
33
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Evangelium Johannes 21. 33

ihm der Herr vorher verkündigt hatte; ja er selbst wurde später'in Rom auf Befehl des Nero hingcrichtet.

Mit Recht aber wird diese Erzählung gegen den fanatischenWahn von jener stoischen Unempfindlichkeit (das menschliche Ge-fühl unterdrückenden Resignation) angeführt, welche zu allen Zei-ten unter vielen Secten verbreitet war; wie denn auch in unsererZeit Münzer (Thomas) bei dem traurigen Ende seines Sohnessagte,er würde durch Nichts berührt, weil er das Gefühl derKreaturen ausgetilgt habe; er wäre den Kreaturen entrissen."Da er aber später, nachdem er die Menge zur Empörung auf-geregt hatte, gefangen genommen wurde und enthauptet werdensollte, bemächtigte sich seiner eine so große Seelenangst, daß erEinen von unfern Hofleutcn, der zugegen war, um einen Trunkbat, und als man diesen brachte, eine große Kanne in EinemZuge austrank; eine solche schmerzliche Angst empfand er imH Gefühl der drohenden Todesnahe; und vielleicht ging er ohneTrost aus dieser Welt. Die wahrhaft Geheiligten hingegen sindkeineswegs gegen Gefühle stumpf, deshalb leiden sie auch nichtohne Kampf; jedoch überwinden sie ihre Schmerzen durch Gebetund Geduld.

Es ist aber die philosophische Geduld zu unterscheiden vonder Geduld des Christen. Philosophische Geduld ist's, in Nochund Ungemach streng der Vernunft folgen, damit man nicht ausSeelenschmerz Etwas thue, was dem Schicklichen oder der Ge- ,rechtigkeit entgegen wäre. Diese Geduld bewahrt Cato nicht, in-dem er sich selbst mordet; denn er handelt gegen die Gerechtig-keit, d. i,, gegen das Gebot:Du sollst nicht tödten!"Auch Cicero ist in der Verbannung nicht geduldig; denn er han-delt der Mäßigung entgegen, indem er, wegen seiner Verban-nung aus dem, noch dazu so unruhigem Staate, sogar weibischeKlagen erhebt, da er doch an seinem damaligen Aufenthaltsorteweit angenehmer lebte. Aristides beweist diese philosophische Ge-duld einigermaßen, denn er freut sich in der Verbannung, daßer den Unruhen der Stadt Athen entgangen, er preist sich glück-lich, daß er frei ist von den öffentlichen Angelegenheiten; aber erbeachtet nicht den Willen Gottes, er betet nicht zu Ihm; er ist! ohne Glaube und Hoffnung.

- Etwas weit Größeres ist daher die christliche Geduld, welchedarin besteht, daß man Gott gehorsam ist, und Nichts thutaus Schmerz, was Gott oder Seinen Geboten entgegen ist,und darin, daß man ein Vertrauen auf die Gegenwärtigkeit Got-Vl. 3