Evangelium Johannes 21. ZI
obachtcn sicherer die äußerliche Zucht, und empfinden in ihremInnern selbst geistige Regungen und Antriebe.
Es ist dieß eine gar große Gnade Gottes, daß Er die Kirchezu einer Wohnung des heiligen Geistes bestimmt hat, und durchdenselben in uns wohnen will. Diese unermeßliche Güte Gottesmüsse uns ermuntern, daß wir uns selbst Zaum und Gebiß an-legen, oder, wie Christus hier sagt, „uns gürten," „undwandeln nicht als die Un weisen, sondern mit gro-ßem Ernst," wie Paulus empfiehlt (Ephes. 5, 15), indemer Unweise die nennt, welche weder weise in der Wahl ihrerZwecke sind, noch ihre Leidenschaften und Begierden im Zaumhalten mögen.
Vom Kreuz und von der Geduld.
Wiewohl aber der Fleiß der Wiedergeborenen in äußerer ZuchtGottesdienst ist und seine Belohnungen hat, so meint doch Chri-stus eine viel höhere Weisheit, welche die Vernunft nicht kennt,wenn Ec in Ansehung der andern Umgürtung spricht: „EinAnderer wird dich gürten und führen, wo du nichthin willst." Er deutet nämlich darauf hin, daß die Kirchedem Kreuz unterworfen, und daß Gehorsam gegen Gott in An-fechtungen ein viel höherer Gottesdienst ist, welchen das Bekennt-niß der Lehre, standhafter Glaube, Gebet, Hoffnung auf Hilfeund Rettung begleiten. Diese Weisheit kannten Petrus und dieübrigen Apostel noch nicht, da sie nicht allein vor dem LeidenChristi, sondern auch nach der Auferstehung des Herrn noch inTräumen von einem süßen Genuß dieses Lebens und von einempolitischen Messiasreiche befangen waren. Diese Träume wider-legt hier der Herr mit den Worten: „Ein Anderer wirddich binden," gleich als wollte Er sagen: die Kirche ist demKreuze unterworfen, vor Allen aber sind es die, welche lehrenund das Amt führen; denn diesen kündigt auch Moses in demSegen, den er dem Stamme Levi ertheilt, vornehmlich das Kreuzan, wenn er sagt: „Wer zu seinem Vater oder Mutterspricht: Ich sehe euch nicht"u s.w. (5.B.MoseZZ,9.)-
Einen heftigem Eindruck aber macht auf die Menschen äuße-res Ungemach, wenn sie in das Alter treten, und doch begegnetcs Vielen, daß sie gerade im Alter ihre Noch erfahren; weßhalbes auch heißt: „Fürchte das Alter, denn es kommt nicht allein."Die Jugend trägt widrige Schicksale leichter, theils weil sie mehrFrische des Körpers und Geistes besitzt, theils weil sie in ihrem