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6 (1830)
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Am Tage Johannes des Evangelisten.

Innern, daß er mich fast aufreibt, zumal wenn ich wahrnehme, ^

wie aller Orten die wahnsinnigste Feindschaft gegen das Gesetz i

überhand nimmt.- j

Nachdem ich nun von den Vcrpflichtungsgründen äußerer Zucht !

gehandelt, will ich das Bild, dessen sich der Herr in dem Worte: i

gürten" bedient, auf die Erklärung des BegriffesZucht" !

anwenden. Im Menschen sind zweierlei Kräfte, welche bestim- !

mungsfähig sind: das Herz, und die Kraft äußerlicher Be- !

wegung; sie werden aber auf verschiedene Weife geleitet. ImAllgemeinen ist eine andere Leitung die bürgerliche, welche durchUeberzeugung, eine andere die streng gebietende, welche durch Be-fehl den zu leitenden Gegenstand bestimmt. Das Herz nur wirddurch bürgerliche Leitung, d. i. durch Ueberzeugung, bestimmt-, die !Kraft äußerer Bewegung aber wird durch das gebietende Macht-wort geleitet, weil die äußern Glieder gezwungen werden können,nach dieser oder jener Richtung sich zu bewegen. Ich kann dieAugen abwendcn, damit sie nicht sehen-, ich kann mich auch im j

Durste des Trinkens enthalten; ich kann den Händen gebieten, j

daß sie nicht stehlen, oder einen Andern nicht schlagen sollen. j

Von dieser Leitung und Bestimmung der äußern Bewegungsfähig- !

keit nun redet der Herr, wenn Er spricht:gürtetest du dich." !

Und diese Bestimmung hat die natürliche Vernunft in ihrer Ge- ^

walk, und cs ist Nichts gesagt, wenn du sprechen wolltest: Ich ^

kann mich dieses oder jenes Vergehens nicht enthalten! Vielmehr !

hat Gott diese Freiheit im Menschen gelaffen, daß er seine äu-ßern Gliedmaßen zügeln kann. .

Die innere Regierung des Herzens ist schlaffer, da hingegen jdie Bestimmung unserer äußern Bewegungen mehr in unsrer Ge- !walt ist, und diese gewährte uns Gott, damit wir eine Vor-stellung von dem Unterschied zwischen Freiheit und Unfreiheit oderGebundenheit haben, und erkennen sollen, Gott selbst sei einfreies Wesen, damit aber auch die menschliche Gesellschaft durcheine wohl geordnete Zucht erhalten werden könne. Es ist dahereines Jeden Pflicht, daß er diese Freiheit, d. h. diese Fähigkeit, ,sein Betragen im Aeußern zu zügeln, übe, und wir, die wir in >

der Kirche sind, sollen zugleich Gott anrufen, daß Ec uns durch .

den heiligen Geist regiere, nicht nur in Ansehung äußerlicherZucht, sondern auch in Beziehung auf die Beherrschung der Lei-denschaften und Begierden, wie jener Psalm (51, 12.) fleht:Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz." Die Gehei-ligten aber, die vom heiligen Geiste unterstützt werden, be-