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6 (1830)
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Am Tage Johannes des Evangelisten.

20 Jahre. Nach alten Schriftstellern besaß er ein Haus zu Je-rusalem, in welchem Maria mit ihm nach der Auferstehung desHerrn zusammen wohnte, weil ihm Christus im Augenblicke sei-nes Todes am Kreuze Seine Mutter ganz besonders empfohlenhatte. Nach Maria's Tod soll er sich aus Jerusalem wegbegebenhaben. Er lehrte aber vornehmlich in Ephesus. Unter Do-mitian wurde er nach Pathmos verwiesen, welche eine der cy-kladischen Inseln ist. Er predigte demnach nach der AuferstehungChristi bis zu seiner Verbannung 63 Jahre. Trajan gestat-tete in der Folge den Verbannten Rückkehr. Da kehrte auch Jo-hannes nach Ephesus zurück. Er starb im dritten Regierungß-jahre Trajans, ungefähr im fünften Jahre von der Zeit seinerVerbannung an gerechnet, weil Sophronius ausdrücklich schreibt,er sei im 68. Jahr nach der Auferstehung Christi gestorben, dadie übrigen Apostel und Paulus langst zuvor gestorben waren.

Gott weist den Lehrern der Kirche gar verschiedene Lebens-bahnen an, und erhält Manche wunderbarlich, um Zeugen undWächter des Evangelium zu sein; und vielleicht wurde das demJohannes von Christus, als Er ihm Seine Mutter übergab,angedeutet, daß er am längsten unter den Aposteln Seine Kircheverwalten würde. Diese Mutter wollte Christus seiner Pflegeund Sorgfalt ganz vorzüglich empfohlen wissen. In Ephesuslehrte er nicht nur das Volk, sondern hatte 'auch eine Schule,wie denn überhaupt damals die Bischöfe nicht bloß in öffentlicherVersammlung lehrten, sondern auch besonders noch Einige unter-richteten. Er hatte daher viele Zuhörer, die nach seinem Todedie Lehre ausbreiteten. Unter ihnen war Ignatius, später Bi-schof zu Antiochien, der Bischof von Smyrna, Polykarpusund Papias, Bischof von Hierapolis. Die Zeugnisse dieserMänner waren für die Kirche von großem Vortheil und die Be-kanntschaft mit ihnen wird zu allen Zeiten ersprießlich bleiben.Die Schriften des Johannes muß man mit besonderer Sorg-falt und Genauigkeit lesen. Er schrieb seine evangelische Ge-schichte zuletzt unter Allen, und hat ausgezeichnete Reden undWunderthaten Christi darin ausgenommen, welche die übrigenEvangelisten nicht erzählen. Den Artikel von der Gottheitdes Sohnes hat er ganz besonders ins Licht gesetzt. Er hataber auch Vieles übergangen, was von den klebrigen schon frühergeschrieben war; denn es war ihm eigenthümlicher Zweck, Dasaufzuschreiben, was die klebrigen übergangen hatten. Seine Spracheist sehr edel, gleich anziehend wegen ihrer Reinheit, Eigenthüm-