22 Am dritten Adventssonntage. Evangel. Matth. 11,2 —10.
Einer gerecht ist; und die Worte: „ist — gegeben" sind aufdie Anklage und Verdammung des Gesetzes, gleichwie auf denZwang zu beziehen.
Dicß Alles ist auch in dem Ausspruche Christi enthalten:„Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, !sondern zu erfüllen." (Matth. 5, 17.) Er erfüllt aber das >Gesetz nicht nur durch Seinen eigenen Gehorsam und durch die !
Uebernahme unsrer Strafe, auf daß um Seinetwillen uns Ver- ^
gebung der Sünde und die Zurechnung Seiner Gerechtigkeit ge-schenkt werde, sondern auch dadurch, daß Ec in uns eine neue,mit dem Gesetze übereinstimmende Gesinnung bewirkt, die jedochin diesem Leben nur ein kleiner Anfang ist, bis sie sich in einemandern Leben gänzlich vervollkommnen wird. Dasselbe sagt auchder paulinische Ausspruch: „Christus ist des GesetzesEnde" (Rom. 10, 4), d. h. des Gesetzes Erfüllung. Aber auchdiese verleihet Ec uns thcils durch Zurechnung, theils durch SeineWirksamkeit in uns.
Richtig wird auch gesagt: „Christus erfülle das Ge-setz," außer der schon abgehandclten Weise auch dadurch, daßEr das Gesetz lehre, es einscharfe und erkläre, well Er nicht nurselbst das Gesetz wiederholt und dargestellt hat, sondern dasselbeauch durch das Amt das Evangelium unablässig wiederholt und /
dargestellt wissen will. Da nun dieses die Predigt der Buße und §
der Vergebung der Sünde ist, so wiederholt Er ebM dadurch das ?Gesetz und verdeutlicht dasselbe.
Der Ausspruch des Jeremias aber: „Ich will kein Ge-setz in ihr Herz geben, und wird Keiner mehr denAndern, noch ein Bruder den andern lehren und sa-gen: Erkenne den Herrn, sondern sic werden Allevon Gott gelehrt sein" (Jer. 31, 33. 34), worauf dieWiedertäufer den Wahn bauen, als dürfe es im neuen Bundekein Lehramt geben, und so weder Buße, noch Evangelium ge-predigt werden, redet von der Vollendung des neuen Bundes imewigen Leben. Diese wird jedoch hier durch die Stimme des >
Evangelium begonnen, durch welche der heilige Geist wirkt. Wahr I
aber bleibt jene Behauptung, daß Keiner vom Andern solle belehrtwerden, einmal darum, weil die Stimme des evangelischen Amtesnicht die eines Menschen, sondern des heiligen Geistes ist; so-dann, weil die Bekehrung des Menschen durch das Evangeliumnicht eine solche Erziehungsweise ist, wie wenn der Lehrer einenungerathenen Schüler durch Schläge zwingt, oder die Obrigkeit