Evangelium Matth. 11, 2 — 10. 21
stus geboren würbe, von Sich Zeugniß gäbe und das Leidenerduldete.
Mer redet Paulus nicht auch vom Sittengesetz, oder denzehn Geboten, wenn er spricht: „Ihr seid nicht unterdem Gesetze?" (Rom. 6, 14.) und sind damit nicht auch diezehn Gebote aufgehoben? — Allerdings für den Gläubigen, derin Christus ist, was die Anklage, den Fluch, nicht aber, wasden Gehorsam betrifft. Das Gesetz Gottes klagt die Gläubigennicht an, cs verdammt sie nicht, und es findet in Ansehung allerder Gläubigen, denen um Christi willen die Sünden ver-geben werden, eine ganz besondere, der Vernunft unbekannte Frei-sprechung Statt. Weder Adam noch die Weisheit eines Engelsvermochte diesen Schluß zu entkräften: Gott ist unveränderlich ge-recht; die Gerechtigkeit Gottes muß den, der gesündigt hat, ver-stoßen: folglich ist Adam von Gott verstoßen; — aber der SohnGottes hat es vermocht durch die geoffenbarte Verheißungdes Evangelium. Nun lautet der zweite Theil jenes Schluffesalso: Die Gerechtigkeit Gottes muß den, der gesündigt hat, ver-stoßen, nämlich: „wo fern nicht der göttlichen Gerechtigkeit dadurchGcnugthuung geschieht, daß die Strafe auf den Mittler übergc-tragen wird, durch Den das Lösegcld dargcbracht wird."
Auch folgt daraus, daß Gott die Sünden vergibt, keines-wegs, baß falsch sei, was in Maleachi (3, 6) gesagt wird: „Ichbin der Herr, der Unveränderliche!" Gott wendet SeinMißfallen von denen, die an Seinen Sohn glauben; jedochverändert Ec Sich darum nicht, weil Er ja beschlossen hat, denen,welche Buße thun und an den Sohn glauben würden, die Sündezu vergeben. So bleibt auch das Sittengesetz ewig und unver-änderlich, obgleich in Ansehung der Gläubigen die deutliche Be-stimmung des Evangelium dazu kommt. Und eben so bleibt inalle Ewigkeit der Wille Gottes, und die Verpflichtung, wasden Gehorsam betrifft. Die Gläubigen, obwohl sie befreit sindvom Fluch des Gesetzes, sind sie doch nicht von der Verbindlich-keit des Gehorsams frei gemacht, und der Satz muß auch imHimmel wahr bleiben: Das Gesetz ist, was den Gehorsam be-trifft, nicht aufgehoben, selbst nicht in Ansehung der Engel undseligen Menschen, und es bestehet für alle Zeiten diese ewigeOrdnung, daß die vernünftige Kreatur zum Gehorsam gegenGott verpflichtet ist. Die Antinomec (Gesetzesscinde) wenden ein:„Dem Gerechten ist kein Gesetz gegeben" (1. Tim. 1,0).Hier verstehe man die.Benennung „Gerecht" so: inwiefern