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6 (1830)
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Evangelium Matth. 11, 2 10.

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nes?" Wiewohl man noch andere Erklärungen aufstellen könnte,so glaube ich doch, daß Christus von Sich selbst und SeinerPerson redet, welche Meinung, wie ich mich erinnere, auch vonLuther gebilligt worden ist. Er nennt Sich aber den K l e i n st e n,weil Ec Sich vor dem Vater und allen Engeln und Menschen er-niedrigte. Denn Er kennt den Vater vollkommen; je besser manaber den Werth, die Vorzüge einer Sache kennt, desto mehr ver-ehrt man dieselbe, und je weiser Einer ist, desto demüthiger ister. Vielleicht daß der Sohn Gottes gerade darum von den Teu-feln verachtet worden ist, weil sie in Ihm eine größere Demuthwahrnahmen, als in irgend einer Kreatur sein kann. Auch wi-derstreitet es einander keineswegs, daß der Sohn dem Vater gleichist, und doch den Vater verehrt. Denn die Gleichheit bezieht sichauf das Wesen und die Macht, die Verehrung und Erniedrigungdeutet die Folge, das Verhältnis der Personen an; denn es sindverschiedene Personen, und der Sohn hat sein Sein vom Vater.

Am meisten aber hat der Sohn Gottes Seine Demuth gezeigt,als Ec die menschliche Natur annahm, und Sich unter alle Krea-turen erniedrigte, und unsere Strafe aus Sich nahm, gleich alsob Er selbst Sich mit meinen und deinen und aller MenschenSünde befleckt hatte. Von dieser Erniedrigung des Sohnes Got-tes reden folgende Aussprüche:Ich ehre Meinen Vater!"(Joh. 8, 49.) Ferner:Er ist für uns zur Sünde, zumFluch geworden!" (2. Kor. 5, 21, vergl. Gal. 3, 13.) undjener herrliche Spruch des Paulus (Phil. 2, 6 ff.):Ob Erwohl in göttlicher Gestalt war, hielt Er's nicht füreinen Raub, Gott gleich zu sein;" d. h. ob Er gleichwahrhaftiger Gott war, und gleiche Weisheit, Gerechtigkeit undMacht besaß, wie der Vater selbst hat: so wollte Er doch jeneGleichheit mit Gott nicht als einen Raub festhalten, nämlich ent-gegen der Berufung, nach welcher Er zu einer bestimmten Zeitin die Erniedrigung gesandt ward. Welches aber diese Erniedri-gung sei, lehrt Paulus in derselben Stelle:Ec äußerteSich selbst und nahm Knechtsgestalt, d. h. die mensch-liche Natur an, und war in dieser einem wehrlosen Knechtegleich, und ward gleich wie ein anderer Mensch, undan Gebehrden als ein Mensch erfunden;" d. i. Er em-pfand Schmerz und Betrübnis, litt und starb, gleich als einMensch.

Aus der Betrachtung dieser Stelle ergibt sich, daß Chri-stus etwas Besonderes ausdrücken wollte, wenn Er SichdenVI. 2