Druckschrift 
6 (1830)
Entstehung
Seite
14
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Am dritten Adventssonntage.

welche Er aus ihrem Zusammenhänge heraus gestellt hat. Di«ersteren bilden die gesammte Naturordnung. Die außerordent-lichen Werke aber sind die Wunder, welche uns zeigen, daß Gottnicht an Mittelursachen gebunden, sondern ein durchaus frei wal-tendes Wesen ist, und diese Naturocdnung abändecn kann. SolcheWerke verbindet Gott mit Seinem Worte, weil es der Vernunftunbekannt ist.

Solche Werke führt nun Christus auch von Sich an, undauch wir sollen jene Zeugnisse unablässig beherzigen und uns alledie Vorhalten, welche vom Anbeginn der Kirche an ergangen sind,und uns durch das Wort Gottes und die von Gott beigefügtenZeugnisse befestigen.

Christus schließt hier an die übrigen Wunder die Bemer-kung an:daß den Armen das Evangelium gepredigtwird." Er drückt damit aus, daß die Predigt des Evangelium !an die Armen nicht nur an sich das größte Wunder sei, sondernauch, daß die übrigen Wunder zu dem Zwecke geschehen, damitdie Kirche gesammelt und das menschliche Geschlecht zu Gott be-kehrt werde. Solche Güte Gottes nun, der Seinen Sohn zurSammlung der Kirche sendet, wollen wir zu Herzen nehmen,und die Ueberzcugung fest halten, daß der Sohn Gottes das !Wort" und dasLeben" sei, und daß das Menschenge- ischlecht gänzlich untergegangen sein würde, wofern nicht wäre be-schlossen worden, daß der Sohn Gottes unsere menschliche Na-tur annehmen, sich zu uns gesellen und uns das Leben erwerbensollte. Dieser Rathschluß in Ansehung unserer Rettung aberwird durch die Predigt des Evangelium kund gelhan, durch welcheauch die Kirche, wie auch die Macht der Welt und des Teufelssich dagegen setze, gesammelt, und nicht nur gesammelt, sondernauch erhalten wird, wenn ihr auch kein menschlicher Schutz zuGebote stände. Nicht ohne Grund zählt also Christus diesesWunder den übrigen bei. Unter denArmen" sind zu ver-stehen die Armen am Geiste, d. h. die, welche um ihrer Sündenwillen in tiefem Schmerz gebeugt sind, von denen es auch beidem Propheten heißt:Wo wird der Herr wohnen, außerbei denen, so zerschlagenen, demüthigen Geistes sind tund sich fürchten vor Meinem Worte?" (Iesai. 57, 15. !

vergl. 66, 2.)

Sodann mag man diese Benennung der Armen auch aufden Zustand der Kirche anwenden, welche keinen Schutz und Ver-theidigung von äußerer Herrschaft und weltlicher Macht zu er-