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Am dritten Adventssonntage.
Aesop soll dem Solon auf die Frage, wie er mit dem Krösus !
reden solle, geantwortet haben: Entweder möglichst wenig, odermöglichst schmeichlerisch! Und ein in italischer Sprache geschrie-benes Büchlein: vom Hoflcben, betitelt, in welchem Biel von denHosiünsten gesprochen wird, enthält unter Anderm auch dieseWorte:
Gib, nimm an, frage, sehr Viel, Wenig, Nichts;welche also zu verbinden sind: Gib möglichst Viel, nimm Wenigan, frage und bekümmere dich um Nichts; oder: „Wer zu HofViel fragen und reformiren will, der lauft scheußlich an," undnicht ohne Grund hat man gesagt: „Wer fromm sein will,meide den Hof"
Wohl beruft Gott auch Fürsten und andere fromme Men-schen, welche mit ihnen an den Höfen leben, zur Gemeinschaftder Kirche. Solche halten an Gott, und gewahren der KircheSchutz und Pflege. Jedoch sind diese zu einer Zeit die Meh-rern, zur andern die Wenigem. Jedoch schenkt Gott nach Sei-ner Güte immer Einige, wie geschrieben steht: „Die Königeder Heiden werden Ihn anbcten" (Psalm 72,11.); und:„Wenn die Völker zusammen kommen, und die Kö-nigreiche, dem Herrn zu dienen" (Psalm 102, 23.). Esenthielt dieser Ausspruch eine Schilderung des vollkommenstenZustandes im Menschengeschlechts; denn da nur blüht wahrhaftein Staat, wo König und Volk einträchtig sind, und in derKirche zur wahren Verehrung Gottes sich vereinigen, wo diereine Lehre nicht durch Zwiespalt und Verfolgung gefährdet ist,wo jeder Einzelne seiner Pflicht lebt, sei cs im Lehren oder imRegieren, in der Bestrafung, wie in der Abwendung öffentlichenAergerniffes.-
Ein solcher Zustand ist in diesem geistesschwachen, unkräfti-gen Weltalter selten; und findet ec sich auch hie und da: so hater doch immer seine Unvollkommenheiten. Wir reden aber hierim Allgemeinen von den Höfen der Fürsten. Denn auch anguten Höfen findet ein großer Zusammenfluß schlechter MenschenStatt, und sehr wahr sagt Juvenal: „Wenn Einer ein Stall-junge zu Hofe ist, so ist er stolzer denn ein Anderer." Ein Aus-spruch des Menandcr bringt die Hofleute in drei Klaffen. Derersten gehört der Schmeichler an, die zweite enthält die Syko-phanten (Ränkeschmiede), in der dritten steht der Neidische, Ei-fersüchtige, der die schlauesten Künste, Andern zu schaden, in sei-ner Gewalt hat. — Johannes nun, spricht Christus, ist