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6 (1830)
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Evangelium Matth. 11, 2 10.

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daß man ihre irrigen Meinungen antastet, ihrer Gewinnsuchtentgegen tritt, und nun halsstarrig der Wahrheit sich widcrsetzctt.

Man könnte jenen Schluß auch so bilden: Wer Ursachezum Aergerniß gibt, handelt böse; Christus gibt Ursache zumAcrgerniß, folglich handelt ec böse. Wahr ist der Obersatz, be-zogen auf gegebenes Aergerniß, weil es etwas an sich Schlech-tes ist, nämlich böse Grundsätze, böses Beispiel. Wiewohl cskann auch manchmal etwas Gutes, wenn es zur Unzeit geschieht,ein gegebenes Aergerniß sein, z. B. manche zu freie Aeuße-rungcn oder Handlungen, die man sich nicht eben gegen Hart-näckige und Widerspenstige, sondern gegen Schwache und nochnicht hinlänglich Unterrichtete erlaubt. Davon redet PaulusRöm. 14, 20., wo er unter Anderm sagt:Es ist zwar Al-les rein, aber cs ist nicht gut dem, der es isset miteinem Anstoß seines Gewissens." Es ist demnach dasgegebene Aergerniß Etwas, was an sich oder seinem Wesennach schädlich und verderblich ist. Hiervon gilt der AusspruchChristi:Wehe dem Menschen, durch welchen Aer-gerniß kommt!" Wehe einem Arius, wehe einem Muha-med, durch den schädliche Lehre kam! Wehe dem David, durchden ein böses Beispiel, nämlich des Ehebruchs, gegeben wird!

Der zweite Satz aber in jenem Schlüsse handelt vom ge-nommenen Acrgerniß, welches man ohne einen lauteren Grundnimmt, wie z. B. Vielen die Reden und Aussprüche Christiärgerlich sind, weil sie über die Vernunft hinaus gehen, undsich nicht mit den vorgefaßten Meinungen, die von den Meistenhartnäckig verthcidigt werden, vertragen. Vielen ist der leidendeChristus ein Anstoß und Acrgerniß, gleichwie selbst Petruses nicht begreifen konnte, daß der Messias sterben müsse. Des-halb sprach er auch, als er vernahm, daß Christus leidenwerde:Herr, schone Dein selbst!" Aber er muß dasbarte Wort vernehmen:Hebe dich, Satan, von Mir!"(Matth. 16, 22 f.) Nie ist ein strengerer Ausdruck des Tadelsim Evangelium an ein Glied der Kirche gerichtet worden, alsdieser an Petrus gerichtete ist. Bei vielen Andern aberist es nicht Schwachheit, sondern Hartnäckigkeit und Bosheit,welche Anstoß oder pharisäisches Aergerniß erzeugt. So, wennbei Streithändcln die Wahrheit an den Tag gefördert wird,murren Viele, ereifern sich, und fassen einen wahren Äainsgroll.Um solcher Aergernisse willen wird die gute Sache nicht schlecht. Wenn uns auch die Papisten verwerfen, daß wir Lutheraner