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6 (1830)
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Am dritten Adventssonntage.

aber weder die Menschen täusche, noch ihnen Schaden zufüge,mithin nicht ein Aergcrniß sei, Keinem ein Aergcrniß gebet Daist nur in Beziehung auf die ersterc Annahme zu antworten, daßein Aergerniß doppelter Art sein kann: genommenes Aergerniß istdas pharisäische, wenn schlecht gesinnte Menschen an etwas Gu-tem Anstoß nehmen. Gegebenes Aergerniß aber ist das eigentlichso genannte Aergcrniß, wenn Andere entweder durch schlechteGrundsätze oder durch böses Beispiel verderbt werden. Von die-sem redet Christus Matth. 18, 7.:Es muß ja Aerger-niß kommen; doch wehe dem Menschen, durch welchenAergerniß kommt." Wollte man nun obigen Schluß vondieser Art des Aergernisses verstehen, so kann man zugcben, daßChristus nicht ein Aergerniß, nämlich nicht im eigentlichenSinne des Wortes sei. Wenn aber nicht nur Jcsaias, son-dern auch Christus Sich selbst ein Aergerniß nennet, so ist daseine zufällige Benennung. Denn Er kommt, um Heil undGlück zu bringen; aber die Dösen widerstreben durch Wahn undLasterhaftigkeit. Wollte man daher also folgern: Aergerniß istetwas Böses, Christus ist ein Aergerniß, folglich ist Er etwasBöses, d. h. etwas Schädliches und Verderbliches: so läugneich die zweite Behauptung, weil es oft der Fall ist, daß Bösean etwas Gutem Aergerniß finden. Es ist daher nicht immerder Gegenstand, woran ein Anderer sich ärgert, etwas Böses;sondern vielmehr ist der Wahn Solcher, die an etwas GutemAergerniß nehmen, etwas Böses. So ist das Evangelium etwasGutes, denn es ist die göttliche Stimme, die das ewige Lebenverkündet, es ist die sanfte Gewalt, mit welcher der heilige Geistuns zieht, es ist die Gotteskraft, selig zu machen Alle, die daranglauben. Aber cs wird zum Aergcrniß den Bösen in einer zu-fälligen Beziehung, d. h. böse Menschen widerstreben durch ihrenWahn und ungöttlichen Sinn, durch ihre Verstockung und Ver-achtung des Evangelium, und in ihnen ist der böse Wille ansich Ursache des Aergernisses. !

Aber auch bei dem genommenen oder uncigcntlich so ge- jnannten Aergerniß gibt cs Grade. So nimmt man z. B. Aer-gerniß aus Schwachheit, wie damals auch viele Schwache ander niedrigen Erscheinung Christi sich ärgerten; und auch jetztnoch nehmen Viele an der Armuth und am Kreuze, an denKämpfen und Zerrüttungen der Kirche Anstoß. Kommt aberhartnäckige Selbstverdlendung hinzu, so entsteht das pharisäischeAergerniß, wie wenn jene Heuchler ihr Mißvergnügen ausdrücken,