Evangelium Matth. 11, L —10.
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Herodes Antkpas Vorwürfe gemacht hatte, daß er die Gemahlin»seines Bruders Philippus widerrechtlich an sich gezogen, und mitihr in blutschänderischem Umgänge lebte. In diesem Gefängnissewurde er einige Zeit verwahrt, und seine Schüler konnten ihn( besuchen und sich mit ihm unterreden. Denn die gebildeten Völ-ker vergruben die Menschen nicht in unterirdische Thurmverließe,wie es bei uns geschieht. Nur verwahrt wurden die Gefange-nen in Oettern, welche für Andere zugänglich waren. So dasj Gefängnis des Joseph in Aegypten und des Apostels Paulus in! Rom. Da saßen Mehrere beisammen und unterredeten sich. An-! dere näherten sich von Außen und verkehrten mit den Gefange-! nen. Im Demosthenes wird erwähnt, daß Aeschines, als er imGefängnisse gewesen, von den übrigen Gefangenen ausgeschlossenworden sei, so daß Keiner mit ihm gegessen, Keiner ihm Lichtgereicht habe. Woraus erhellt, daß auch die Gefangenen ord-nungsmäßige Verfassung im Gefängnisse hatten. Es waren mitEinem Worte die Gefängnisse sonst nur Verwahrungsörter, wieauch die Nechtsgelehrten sagen, ein Gefängnis dürfe nur einVerwahrungsplatz, nicht ein peinlicher Aufenthalt sein.
Weiter heißt es im Texte: „Den Armen wird dasEvangelium gepredigt." Das Wort „Evangelium" brauchtaber die göttliche Offenbarung, um einen deutlichen Unterschiedzwischen den Lehren und Verheißungen des Evangeliums und de-> nen des Gesetzes fest zu stellen. Denn das Wort Evangeliumbedeutet eigentlich eine gute, frohe Botschaft; bei Homer metony-misch den Lohn für eine solche, und Jsokrates, Cicero und Liviusbezeichnen mit diesem Worte elliptisch die Opferfestlichkeiten, welche! man bei dem Empfange freudiger Nachrichten anstelltc.
Es folgen im Texte die Worte: „Selig ist, der sich^ nicht an Mir ärgert." Der Sinn ist: Selig ist, wer anMeiner armseligen, niedrigen Erscheinung nicht irre wird, an
ihr keinen Anstoß, kein Aergerniß nimmt.-Ohne Zweifel
entlehnte Christus diesen Ausdruck aus dem Jesaias, der ineiner Weissagung vom Messias spricht: „Er wird sein einStein des Anstoßes und ein Fels der Aergerniß denzweien Häusern Israels, zum Strick und Falle denBürgern zu Jerusalem, daß ihrer Viel sich daranstoßen, fallen, zerschellen, verstrickt und gefangenwerden." (Kap. 8, 14.15.) Hier könnte man fragen, wie dasauf Christum passe, da ja Aergerniß etwas Böses, d. h. Etwassei, was Andere täuscht und ihnen Schaden zusügt, Christus
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