560 Zucker, Zuckerstoff
gepflanzt, nachdem man schon lange vorher Ahornzucker gewonnen hatte, den selbßdie Wilden aus dem Safte des Zuckerahorns auf eine einfache Weise zu gewinnenwissen. Die fortgeschrittene Chemie lehrte in neuern Zeiten den Auckerstoff aus vie-len europäischen Pflanzen scheiden, wie Glaubcr aus Trauben, Marggraf schon1747 aus Runkelrüben, Parmentier aus süßen Kastanien und Mais. Marggraf'jEntdeckung wurde seit 1796 von Achard im Großen ausgeführt. Die Versuche,Ersatzmittel des Rohrzuckers zu finden, gaben besonders wahrend der durch das Con-tinentalsystem veranlaßten Hemmung des Handels mit Colonialwaarcn der Betrieb-samkeit viel Beschäftigung, und in Frankreich und Deutschland wurden vorzüglichTrauben und Runkelrüben dazu benutzt. Als man durch genaue Zerlegung mitden Bestandlheilen des vegetabilischen Zuckerstoffs bekannt geworden war, kam zu-erst Fourcroy auf den Gedanken, auf künstlichem Wege Zucker zu erzeugen, aberKirchhof in Petersburg vollendete diese Entdeckung, indem er Stärkezucker in flüs- ssiger und weicher Form gewann. — Der Saft des Zuckerrohrs (arunrlo «scelurn- 'kern) besteht aus Wasser, krystallisicbarcm Zucker, nicht krystallisirbarcm Zucker ,und verschiedenen andern Bestandlheilen. Die Läuterung beruht darauf, den kry- >stallisirbaren Zucker von den übrigen Stoffen zu scheiden. Das reife Rohr wird 'abgeschnitten und in den Zuckermühlcn zwischen 3 senkrecht stehenden hölzernen und smit Eisen beschlagenen, oder eisernen Walzen so lange ausgepreßl, bis es ganz lro- ^cken wird. Das ausgcprcßte Rohr, das man in den franz. Colonien belasse nennt, -dient zur Feuerung. Der gewonnene Saft (vesou) wird alsdann in einem kupfern«,Kessel mit Holzasche und Kalk gekocht, um die überflüssige Säure sogleich zu neutra-lisircn. Dieses Absuden wird nach einander in 3 verschiedenen Kesseln wiederholt.Der eingedickte Saft wird in den Kühlbottich gefüllt, und dann, so lange er nochwarm ist, in Fässer geschöpft, die auf einem Roste über einer Cisterne stehen, und lauf dem Boden mehre mit Rohr verstopfte Löcher haben. Die flüssigem Theile des >Saftes (Melasse genannt) tröpfeln durch jene Öffnungen, und werden zum Thalzu Rum destillirt, während die gelblichen eingedickten krystallisirbaren Theile Zurück-bleiben, die man Rohzucker, Farinzucker oder Moscovade nennt. Man rechnet,daß 200 Pfund Zuckerrohr 100 Pf. Saft geben, woraus man 25^ Pf. Rohzuckererhalt. (Die Beschreibung dieses Verfahrens findet man in Edward's „Geschichtevon Westindien".) Jener Rohzucker, der durch den Einfluß des Klimas und Bo-dens in Geruch, Geschmack und Farbe verschieden ist, wird zum Theil schon aufden Zuckerinseln gelautert. Man thut die noch warme Moscovade in kegelförmige ,lhönerne Gefäße, welche aufihre, mit einer verstopften Öffnung versehene Spitze s'gestellt werden. Nach der Abkühlung wird der Pfropf hcrausgezogen, um denSyrup oder die Melasse auströpfeln zu lassen, worauf die Grundfläche des Zuckersin der Form mit nassem Thon bedeckt wird, dessen Feuchtigkeit die im Zucker noch sbefindliche Melasse verdünnt und nach und nach wegspült. Auf den britischen Zu- 1ckerinseln ist dieses Verfahren jedoch nicht so allgemein üblich als auf den französi-schen. Der auf diese Art geläuterte Zucker, den man Thonzucker und in Frank-reich Casson ade nennt, wird alsdann aus den Formen genommen, mehre Tagegetrocknet, gepulvert und nach Europa geschickt, wo man ihn noch einmal läutert.Bei diesem Rassiniren wird die Cassonadc mit Kalkwasser aufgelöst und mit einemZusatz von Ochsenblut— statt dessen man in neuern Zeiten in den europäischen Raf-finerien lhierische Kohle (verkohlte Knochen) angewendet hat — gesotten, wodurchdie im Rohzucker noch befindliche Säure ausgeschiedcn, und das rückständige pflan-zensaure Salz zersetzt wird, alsdann durch abermaliges Sieden conccntrirt, in dieKühlpsanne geschöpft und in thönerne Formen gefüllt, worin man sie auf die obenangegebene Art mittelst feuchten Thons von dem nicht krystallisirbaren Syrup be-freit. Endlich werden die aus den Formen genommenen Zuckerhütc mit einer Tem-peratur von 40° Röaumur getrocknet und in Papier geschlagen. Der rafsinirte Zu-