Zuchthäuser 557
mane, Novellen, Siltengeniälde, kleine historische Darstellungen in wechselndenFormen) übergehen wir; zu mehren Erzeugnissen hat er sich nicht öffentlich be-kannt oder sie später aus der Reihe seiner Werke gestrichen. Als Schriftsteller ge-! hört 3- zu denen, die nicht sowol eine neue Bahn brechen als das Vorgefundenei zweckmäßig nach verschiedenen Richtungen verbreiten, was ihnen etwa an theoreti-^ scher Tiefe abgeht, durch praktischen Werth ersetzen, statt der kühnem Züge deSGenies eine feste Gesundheit des Geistes darbietcn, und so den Vorgängern derMenschheit, obschon in einiger Entfernung, doch mit Kraft, Geschick und LiebeNachfolgen. Z/s literarische Thätigkeit gleicht den gesuchten engl. Arbeiten nichtbloß in Absicht auf den sichern Zweck, sondern auch durch ihre bequeme Tüchtigkeit.In dem Kreise der Bürgerpflichten vereinigt er Öffentlichkeit und Häuslichkeit deSBetragens auf eine musterhafte Weise; die Erziehung seiner Kinder war ihm vonAnfang und unausgesetzt eine theure Herzensangelegenheit, der er mit Vergnügenauch als Lehrer manche kostbare Stunde opferte. Gegen sein Land, und was lei-der in der jetzigen Schweiz einen starken Unterschied macht, für seinen Eanton, be-> wies er sich jederzeit untadelhaft, und er hatte in besser» Zeiten und unter vorzüg-lichem Menschen leicht Größeres gethan. Für den geselligen Umgang entwickelter, in schneidendem Gegensätze mit den Stubengelehrten, eine selten getrübte Mun-terkeit und die beweglichste Gegenwart des Geistes, sodaß sein lebendiges Wortdas geschriebene kräftig vertritt. In der reinen Pflege des Menschlichen, woriner seinen Beruf sieht und seinen Lohn empfindet, kann er bei ungeschwächter Ge-l sundheit, einem dauerhaften Körperbau, mäßigem Lebensalter und herrschenderl Gemüthshciterkeit noch manches schöne Jahr den Musen des gesellschaftlichen Be-sten weihen, wozu ihm und sich selbst zahlreiche Verehrer Glück wünschen. EineSammlung seiner Schriften erschien 1825 fg. in 40 Bdchn. zu Aarau. Im 1.Bdchn. befinden sich seine lebensgeschichtlichcn Umkisse.
Zuchthäuser. Diese Anstalten sollen Erziehungshäuscr für strafbare»j aber noch einiger Besserung fähige Mitglieder des menschlichen Geschlechts sein;
^ die Sträflinge sollen darin nicht nur gestraft, sondern auch gebessert werden. In-wiefern dieser doppelte Zweck in unfern Zuchthäusern erreicht werde oder werdeni könne, wird sich in Folgendem zeigen. — Der Zeitpunkt ihrer Entstehung ist un-j bekannt. Zu der Zeit, da eine geläuterte Philosophie die Menschen menschlicher' machte und den Werth des Menschenlebens schätzen lehrte, hörte man auf, nicht, nur wirkliche Verbrechen, sondern auch Vergehungen gröberer Art mit dem Tode! zu bestrafen, und errichtete Anstalten, in denen die Strafbaren ihre Schuld abbü-- ßm mußten, ohne doch der Gesellschaft ganz entzogen zu werden; vielmehr solltensie dereinst gebessert in dieselbe zurücktreten. Bei den Römern war Verbannung; die Strafe für Staatsverbrecher aus den Elasten der Bürger, Arbeit in den Berg-l werken die Strafe für Leibeigene und Sklaven, die sich wichtige Vergehungen hat-, ten zu Schulden kommen lassen. In später» Zeiten wurden in den Landern, dieeine Seemacht unterhielten, die Verbrecher auf den Galeeren eingcschmicdet: einGebrauch, der am letzten bei dem Malteserorden, als dieser noch Galeeren hatte, üb-lich war, jetzt aber nicht mehr staltsindet. In andern Ländern wurden sie und wer-den noch jetzt als Knechte des Staats zu öffentlichen Arbeiten gebraucht. In eini-gen Ländern ist die Deportation der Verbrecher in noch unangcbaute Gegenden ent-fernter Provinzen gewöhnlich; so schickte England seine Verbrecher nach Botanybai,
. Rußland die seinigen nach Sibirien. In England bestand zu Bury (Südbury) irrder Grafschaft Suffolk bereits 1589 ein Zucht- und Arbeitshaus, dessen ReglementMortan Eden in s. „Geschichte der arbeitenden Elasten in England" erwähnt. Diegewerbfleißigen und speculativm Niederländer gaben uns Deutschen, wie in vielenandern Dingen, so auch darin ein B.ispiel, die Kräfte und Fähigkeiten, selbst bö-ser und verdorbener Menschen zu nützlichen Zwecken zu verwenden. Indem Men-