Druckschrift 
12 (1830) W bis Z
Entstehung
Seite
530
Einzelbild herunterladen
 

530

Znai'm Zobel

gewöhnlich. Z. setzte seine Streifzüge in Böhmen fort, eroberte mehre fest,Städte, gewöhnlich durch Sturm, und behandelte die Besiegten mit Grausamkeit.Nach dem Tode des Niklas v. Hussynecz (1421) erkannten ihn alle Hussiten alsihr Oberhaupt an, allein er ließ dem König von Polen die böhmische Krone an-bietcn. Durch unglaublich schnelle Märsche kam er überall seinen Feinden zuoor.Bei der Belagerung des Schlosses Raby verlor er durch einen Pfeilschuß auch seinzweites Auge. Jetzt ließ er sich bei den Gefechten auf einem Karren fahren, sodafer von seinen Leuten gesehen werden konnte, und nach der Beschreibung, die manihm von der Gegend machte,' ordnete er die Stellung des Heeres an. Er hatteeine sogen, unüberwindliche Brüderlegion, mit welcher er gewöhnlich den Ausgangder Schlacht entschied. Ein beträchtliches Heer, das Kaiser Sigismund aufsNeue wider ihn schickte, schlug er bei Deutschbrod (t8. Jan. 1422) und drang(1422) selbst in Mähren und Ostreich ein. Als hierauf die Prager seinemWillen nicht gehorchten, demüihigte sie der blinde Heeresfürst durch mehre Nie-derlagen. Nur einmal, bei Kremsir in Mähren, mußte er weichen; es war diesdas einzige Mal, daß er im offenen Felde geschlagen wurde. Sigismund bolihm endlich die Statthalterschaft von Böhmen an mit großen Vortheilen, wenner sich für ihn erklären wolle. Während der Unterhandlungen aber überfielihn, als er eben Przibislaw im czaslauer Kreise belagerte, eine pestartige Krank-heit, und er starb am 12. Oct. 1424. Die über diesen Verlust rasenden Taboü-ten erstürmten die Stadt, hieben Alles nieder und verbrannten d.n unglücklichenOrt. Z. hatte 13 Schlachten gewonnen und in mehr als 100 Gefechten ge-siegt, obgleich alt und blind. Er hielt sich selbst für ein Werkzeug der göttlichenRache, und das Jammern von Mönchen und Priestern, die er zum Feuertodeschleppen ließ, nannte er mit fürchterlichem Hohne: der Schwester Brautlied!— Er wurde in der Kirche zu Czaslau begraben, und sein Lieblingsgewehr, ein ei-serner Streitkolben, über seinem Grabmal aufgchangen. Man erzählt, daß Kai-ser F-rdinand I., mehr als 130 I. nachher, als er auf einer Reise nach Pragdie Kirche zu Czaslau besuchte und erfuhr, daß Z. da begraben liege, darüber sobetroffen worden, daß er augenblicklich nicht nur die Kirche, sondern die Stadtselbst, wo er übernachten wollte, verlassen habe. Das Grabmal wurde 162Zauf kaiserl. Befehl abgebrochen, und Z/s Gebeine fortgeschafft. Eine FMist es, daß Z. befohlen habe, seine Haut als Trommelfell zu gebrauchen, weildie Feinde dadurch in Furcht gesetzt werden würden. S. Max Millauer's „Di-plomat. histor. Aufs, über Joh. Zisska v. Trocnow" (Prag 1824). (Vgl.Hussiten.)

Znaim (Znoym), Stadt und Hauptort des Kreises gl. N., im Mark-grafth. Mähren, liegt auf einem Berge, an dessen Fuße die Taya fließt. Z. hat700 H-, 6000 E. und ein Gymnasium. Die Umgebung ist angenehm; Ge-würzkräuter - und Weinbau. Die schöne Abtei der Prämonstratenser ist jetzt zueiner kaiserl. Tabacksfabrik eingorichtct. Im Lager vor Z. ward am 12. Juli 18VSzwischen den Östreichern und F-anzosen der Waffenstillstand abgeschlossen, dem ani14. Oct. der wiener Friede folgte.

Zobel (russ. Sobol), ein vierfüßigcs Thier, das zum Geschlechte der Mar-der und Wiesel gehört, dessen kostbarer Pelz sehr geschätzt wird, und welches bloßin Sibirien und dem nördlichen China einhcimiich ist. Er lebt dort in dichten ein-samen Wäldern, in hohlen Bäumen oder unter ihren Wurzeln in der Erde, ist sehrschnell und springt mit vieler Leichtigkeit auf den Bäumen umher. Am Tage schiäster; des Nachts geht er seinem Raube nach, der gewöhnlich in kleinen Säugetbun-»und Vögeln besteht; doch frißt er auch, wenn es die Jahreszeit mit sich bringt, Bee-ren und Früchte. Die Farbe der Zobelfelle ist schwarzgrau, braun oder schwarz; siewerden am m-isten geschätzt, wenn sie recht schwarzbraun, dickhaarig und glänzend