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Zizka
„„jer einer Eiche geb. Als Knabe verlor er das rechte Auge, hieß aber nicht deß-ha>b, wie fälschlich behauptet wird, Zizka, welches si.Geschlechtsname war, undauch nicht Einäugiger bedeutet. Er kam als Page an den Hof des böhmischen KönigsWenzel VI. und diente daselbst spater als Kämmerer. Er zeigte von Jugend aufviel Geistesanlagen, aber auch einen Küstern Hang zur Einsamkeit. Zuerst trater als Krieger auf unter der Schar von Freiwilligen, welche aus Böhmen und Un-garn dem deutschen Orden gegen die Polen und Lithauer zu Hülfe zogen. Hiernahm er Theil an dem Treffen bei Tanneberg, d. 15. Juli 1410, in welchem derOrden, der schon den Sieg errungen zu haben glaubte, eine große Niederlage erlitt.Dann versuchte sich Z. in den Kriegen der Ungarn wider die Türken, hierauf mitdm Engländern gegen die Franzosen, am Tage von Azincourt (1415). Nach sei-ner Rückkunft blieb er an dem Hofe des Königs W.nzel. Das Mißvergnügen ei-nes großen Theils der böhmischen Nation über das Schicksal der beiden Reforma-toren , Huß und Hieronymus (s dd,), ergriff auch ihn. Als nun ein Mönchseine geliebte Schwester, die Nonne war, entehrte und ihrem grausamen Schicksaleüberließ, sann er auf Rache; Wenzel selbst äußerte eines Tages gegen ihn, wenner ein Mittel wisse, die den Böhmen in Kostnitz zugefügte Schmach zu rächen, somöge ec es thun, er habe dazu seine volle königliche Einwilligung. Nun verließZ. den Hof, erforschte die Gesinnungen des Volks, und kehrte bald nach Prag zu-rück. Schon war Niklas von Hussynecz an die Spitze der Aufrührer getreten, undWenzel verlangte von den Bürgern Prags, baß sie die Waffen aus liefern sollten.Da führte Z. sie bewaffnet auf das Schloß (15. April 1418). „So", sprach erzum König, „wollen wie für dich fechten", und die Bürger behielten die Waffen. Z.galt von nun an für das Haupt der Hussiten. Bei einem Aufzuge (30. Juli1419) traf den Priester der Hussiten ein Steinwurf. Alsbald stürmten sie, von Z.angefeuert, das Rathhaus und warfen 13 Rathsherren unter die Spieße des Volks.König Wenzel starb vor Schreck über diesen Vorfall. Sein Bruder und Nachfol-ger, Kaiser Sigismund, zögerte, die Regierung in Böhmen zu übernehmen; da-durch gewann Z. Zeit, s. Macht zu vermehren. Doch mußte er sich anfangsvon Prag nach Pilsen zurückziehen. Als nun Sigismund die Anhänger derneuen Lehre hinrichten ließ, verschworen sich die Hussiten untcrZ., Sigismund nieals König von Böhmen anzuerkenncn. Sie legt.n Festungen an, und Z. ließ aufdem Berge Tabor eine Stadt bauen, wovon die Hussiten den Namen Taboritmerhielten. Er befestigte die neue Stadt auf eine Art, die seiner Einsicht in dieKriegswissenschaft Ehre machte. Auch schreibt man ihm den norlheilhaften Ge-brauch der Wagenburg (s. d.) zu, durch welche er, bei gänzlichem Mangel anReiterei, sein Fußvolk gegen die feindlichen Angriffe sicherte. In kurzer Zeit hatteer s. schlecht bewaffneten und ungezügelten Haufen zu einem Heere gebildet, demman nicht widerstehen zu können glaubte. Einige glückliche Gefechte, die er lieferte,verschafften ihm bessere Waffen und Pferde zu einer Reiterei. Seine Unternehmun-gen wurden aber nicht bloß von Raubbegicrde, sondern mehr noch von Rachsuchtgeleitet. Z. beging viele Grausamkeiten, theils um sich furchtbar zu machen, theilsweil er dem wilden Ungestüm s. fanatischen Haufens nachgeben mußte. Um Praggegen den Kaiser Sigismund, der mit großer Macht anrückte, zu vertheidigen, be-gab sich Z. dahin und verschanzte sich auf dem Berge Wittkow. Mit 4000 M.schlug er hier (14. Juli 1420) die wiederholten Stürme von 30,000 zurück, undjener Ort heißt deßhalb noch jetzt der Zizkaberg. Geldmangel, den der Kaiser nurzu oft fühlte, machte, daß der ganze Feldzug fruchtlos blieb. 1421 eroberte Z. dasSchloß zu Prag, und bekam da die 4 ersten Kanonen, die seit der Erfindung desSchießpulvers nach Böhmen gekommen, in seine Gewalt. Von dieser Zeit anwurden Kanonen, sowie das kleine Gewehrfeuer, welches letztere jedoch anfänglichnur Ade.ige sich anschaffen konnten, bei den Hussiten und den Heeren ihrer GegnerConv.-Lex. Siebente Ausl. Bd. XU. f 54