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12 (1830) W bis Z
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Zelter (Karl Friedrich)

bisher geschlummert hakte. Um dieselbe zu befriedigen, suchte er alle Stunden daErholung und Ruhe jener Kunst zuzuwendcn, schrieb Noten und übte sich eifrig in,Elavier- und Violinspiel, obgleich ihm sein Vater, der davon Nachtheil für seineGe-sundheit besorgte, diese Anstrengung ernstlich verbot. In seinem Eifer nicht erkai-tend, sing er aus Mangel an Musikalien endlich selbst an seine musikalischen Ge-danken aufzusetzen, obgleich er von harmonischen Kenntnissen noch entblößt war,und suchte sich Partituren zum Abschreiber, zu verschaffen. Zum Glück traf er ansE.PH. Em. Bach's und Hasse's Werke, in denen «Ordnung und Gründlichkeit d,zSatzes kennen lernte. Da sein Musikeifer seinem Handwerk immer mehr Eintragthat, so untersagte ihm sein Vater endlich das Musiktreiben ganz. Er versprach z«gehorchen und trieb fleißiger sein Handwerk, kehrte aber immer von Neuem zu se>-ner geliebten Kunst zurück. 1783 ward er nach gefertigtem Meisterstück zum Mau-rermeister ausgenommen, auch hat er der Beschäftigung mit dem Bauwesen in daFolge nie ganz entsagt. Erst seit dieser Zeit konnte er bei dem würdigen Fasch imreinen Satz und im doppelten Contrapunkt Unterricht nehmen, der ihm auch auf ^seiner ganzen künftigen Laufbahn Vorbild und Leiter geworden ist. Z. war seilEntstehung der Fasch'schen Singakademie, welche Studium und Vortrag große,kirchlicher Vokalmusik zum Gegenstände hat und zuweilen auch öffentlich aufs,rhu, !eins der thätigsten Mitglieder derselben gewesen und wurde bald der tüchtigste Ge-hülfe seines Lehrers in der Leitung dieses schönen, sich immer mehr erweiterndenInstituts. Dasselbe führte er auch nach dessen Tode (1800) mit großem Verdienstfort, und sowie die Mitglieder der Singakademie 1801 dankbar die Büste des Stif-ters derselben aufstellten (dessen Biographie Z. 1801 herausgab), so haben sie auchihre Dankbarkeit gegen seinen Nachfolger bei der Feier 1825 bewiesen, und seineBüste, von Rauch gearbeitet, wird künftig neben der seines Vorgängers stehen.Seine zweite Frau, eine geborene Pappritz, war eine der ersten DilettantinnenBerlins und eins der ersten Mitglieder jener Akademie; sie starb 1806 und h!n-trrließ ihm 11 Kinder. 1809 ernannte ihn der König v. Preußen zum Prof, derTonkunst bei der berliner Akademie der Künste und Wissenschaften und berief ihnin dems. I. zur Verbesserung der Kirchenmusik nach Königsberg. In dcms.J.stiftete er für fröhliche Unterhaltung durch Liedergesang die erste berliner Liedertafel,deren Mitglieder, aus männlichen Mitgliedern der Singakademie bestehend, undin 2 Tenor- und 2 Baßstimmen vertheilt, die von ihnen theils gedichteten, theilscomponirteu Lieder aus ihren eignen handschristl. Büchern üben und vierstimmig >bei einem geselligen Mahle vortragen. Sic hat einen Chor von 30 Mannerslim- >men. Für dieses Institut, von welchem die seither durch alle Städte Deutsch- ,landS verbreiteten Liedertafeln abstammcn, hat er auch die originellsten humoristi-schen Lieder componirt, die seitdem zum Theil im Stich erschienen sind. Seim ,Compositionen bezeigen den gründlichen Gang seiner Bildung; was sich unter den-s-lben am meisten hervorhebt, sind seine Liedercompositionen und seine Motette».Die ersten sind theils Lieder beim Clavier, theils vierstimmige Gesellschaflslieder.Die vorzüglichsten unter den erstem sind seit 1801 erschienen. Dahin rechnen wirdie „Sammlung kleiner Balladen und Lieder fürs Clavier" (1—4. Heft, Berlins 803 fg.), und „Johanna Sebus" (Lpz. bei Kühnel). Die letztem, größtenteilsfür die Liedertafel geschrieben, sind männliche Srngchöre voll fröhlicher Kraft und jbeitercr Laune. Z. zeigt in seinen Liedern überhaupt ein besonderes Talent für dasNaive, volksmäßig Kräftige, Charakteristische und Humoristische, welches ihmauch fast immer gelingt. Für das Letztere wendet er oft den Motettenstyl, undüberhaupt die Formen des strengem Styls, parodr'cend an (m. s. die berliner Lieder-tafel). Von seinen Motetten, die in der berl. Singakademie vorgetragen werden,ist aber leider wenig im größer» Publicum bekannt. Um die Vokalmusik in Berlinhat er das größte Verdienst, sowie er selbst einer der größten Kenner und Verehrerder älter» kirchlichen Vokalmusik ist. Auch hat er in der musikalischen Theorie !