Druckschrift 
12 (1830) W bis Z
Entstehung
Seite
483
Einzelbild herunterladen
 

483

Zeitz Zelter (Karl Friedrich)

Presse» ; davon in Paris 81 Druckereien oder 850 Pressen). In Paris allein,daS 890,000 Einw. zählt, erscheinen 176 periodische Schriften. KK.

Zeitz, ehemals die zweite Stadt des zum Königreiche Sachsen gehörigenStiftes Naumburg-Zcitz, durch den Vertrag vom 18. Mai 1815 an Preußen ab-getreten , gehört jetzt zum Regierungsbezirk Merseburg im Herzogthum Sachsen.Die Stadt Zeitz liegt 5 Meilen von Leipzig in einer angenehmen, fruchtbaren Ge-gend am rechten Ufer der weißen Elster, über welche eine steinerne Brücke führt,und auf und an einem hohen Berge, daher die Straßen größtenthei'ls abschüssig sind.Sie zählt 618 H. und 7000 E., die sich theils mit Arbeiten in den hiesigen Tuch-,Zeuch- und Ledermanufacturen, theils mit Feld - und Gartenbau beschäftigen.Die Stadt ist alt, hat aber, als ehemaliger Sitz verschiedener Behörden, zumTheil gute Gebäude, ein Schloß, die Moritzburg genannt, 4 Kirchen und einnicht unberühmtes Gymnasium, das eine gute Bibliothek von 12,000 Bdn. undvielen Handschriften besitzt. Nahe bei der Stadt an der Elster ist der sogenannteThiergarten, ein sehr schöner Park.— Das ehemalige Bisthum Zeitz wurde 968von Otto 1. errichtet, um die Bekehrung der Wenden zum Christcnthum zu beför-dern. In der Folge fanden es der Bischof und seine Geistlichen gcrathcner, ihrenSitz (1029) nach dem mehr Annehmlichkeiten darbietenden Naumburg zu verlegen,und das Stift erhielt nun die Benennung Naumburg-Zeitz. Als der letzte kathol.Bischof, Jul. Pflug, 1564 starb, wurde dem Kurhause Sachsen durch einenVergleich die Administration des Stiftes übertragen. Schon früher hatte Kur-sachscn die landcsfürstl. Hoheit und Schutzgerechtigkcit über die in seinen Ländernoelegcnen Stifter behauptet. Kurfürst Johann Georg I. vermachte in seinem Te-stamente (1652) das Stift Naumburg-Zcitz, nebst verschiedenen andern Ämtern,seinem jüngsten Sohne Moritz, welcher der Stifter der sachsen-zeitzischcn Neben-linie wurde, die bereits im ersten Viertel des vor. Jahrh. mit seinen Söhnen wiederausstarb. Durch einen 1726 geschlossenen Vergleich wurde das weltliche Stifts-rcgiment dem Kurhause Sachsen auf immer übertragen, die Kirchensachen aberwurden dem sächsischen Geheimenrathscollegio überlassen. Diese Verfassung ist bis1815 beibehalten worden, wo das ganze Stift Naumburg-Zeitz, mit Ausnahmeeines Bezirks von einer Quadratmeile, an Preußen abgetreten wurde.

Zellgewebe (teln oollularis) nennt man die Urbildung der organischenKörper, welche sich in allen einzelnen Organen befindet, sie alle umgibt und ver-bindet, und woraus sich die letzter» nach der Ansicht mancher Physiologen bilden.Wenn man die Muskelsibern der Länge nach auseinander reißt, bemerkt man vielekleine weiße Fäserchen, welche den getrennten Fibern anhangen, diese sind eben rei-nes Zellgewebe. Es besteht aus einer großen Menge kleiner Zellen, welche untereinander Zusammenhängen, und thierischen Dunst, Fett oder auch krankhafter Weiseserös-wässerige Flüssigkeiten enthalten.

Zeloten waren eigentlich bei den Juden Diejenigen, welche für die EhreGottes und ihres Tempels, sowie für ihre Gesetze, eiferten, und die öfters so weitgingen, daß sie einen vermeintlichen Goltesverachter oder Sabbathsschändcr sofortsteinigten oder sonst aus dem Wege räumten, ohne weiter dadurch verantwortlich zuwerden. Jetzt belegt man Diejenigen mit diesem Namen, welche ohne Überlegungund mit ungebührlicher Strenge sich zu Religionsvertheidigern auswersen und ge-gen Andersdenkende eifern.

Zelter (Karl Friedrich), Prof, und Director der Singakademie in Berlin,ist geb. daselbst 1758. Sein Vater, der ein Maurer und aus Sachsen gebürtigwar, ließ ihn das joachimsthalische Gymnasium besuchen und in allerhand nützli-chen Kenntnissen unterrichten. Vom 17. I. sing er an seines Vaters ProfessionM erlernen. Aber schon im folg. I. erwachte in ihm eine ganz besondere Liebe zurMusik, die, obgleich er schon vorher Unterricht im Clavicr- und Orgellpiel erhalten,

31 >