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Würtemberg (Geschichte)
ten verjagen; Ulrich, dem dritten Herzoge, dem einen Sohne des unglücklichen, oftverrückten Grafen Heinrich (der andre war Graf Georg, der Stammvater der vonHerzog Friedrich I. an regierenden Linie) nahm der schwäbische Bund das Herzog-thum und verkaufte es geradezu an die östr. Brüder Karl V. und König FerdinandWahrend dieser östr. Regierung wüthetcn die verderblichen Unruhen des Bauernkrie-ges. Nach lüjähr. Entfernung erobert Ulrich das Land wieder; allein er muß es Möstr. Afterlehn anerkennen. Um so mehr führt er das Lutherthum ein, wird in Folgedieses Schritts Mitglied des schmalkaldischen Bundes, verliert es aber nach dem u«,glücklichen Kriege beinahe zum zweiten Male an König Ferdinand, der ihn der Fele-nie gegen sein Haus anklagte. Dem Herzog Christoph, Ulrichs Sohne, gelang dirRettung desselben, jedoch ohne des Afterlehns loswcrden zu können, nachdem Mo-ritz aus Sachsen sich erhoben hatte. Die Lage des Herzcgthums vom Anfänge bisin die Mitte des 16. Jahrb. war oft schrecklich, während die Banden des schwäbi-schen Bundes, Ostreicher, Hessen, tolle Bauern und Spanier darin wirlhschaftete».Durch den Schaden seiner Vorfahren gewitzigt, ruhte Herzog Friedrich l, ein Nach,komme Georgs, des ,'n Mömpelgard apanaqirten Bruders von Herzog Ulrich, nicht,bis er des Afterlehns ledig war, 1699; Ostreich behielt sich aber die Nachfolge!mHerzogthume vor, aufden Fall, wenn der würtemberg. Mannsstamm ausstürbe.Diese Befreiung kostete dem Lande eine schwere Summe; aber gut war es, daß imdreißigjähr. Kriege, der nun bald ausbrach, Ostreich nicht auch noch von dorther An-sprüche an Würtemberg machen konnte. Dieser dreißigjähr. Krieg ist der traurigsteZeitraum in der würtemberg. Geschichte. Glücklich hätte sich das Herzogihum schä-tzen mögen, wenn der Kaiser es nur als erobertes Land behandelt hätte; allein cSward zerrissen und zerstückelt. Minister, Generale und der Erzbischof von Wien er-hielten Theile zum Geschenke, nach andern griffen Baicrn, Würzburg, die Erzher-zogin Claudia von Ostreich; wem der Nest gehören sollte, wußte Niemand. DieBergvcste Hohentwiel, von Widerhold vertheidigt, kam allein nicht in FeindesHand. Von 1634 — 41 sank die Bevölkerung Wüctcmbergs von ungefähr330.060 Menschen auf 48,000 herunter; wer hatte fliehen können, war entflo-hen ; die Andern hatte Kcieg, Pest und Hunger weqgerafft; Slädte »nd Dörfer lo-gen ganz oder größtcnthcilS in Schutt und Asche; der sonst schon so angebanie,fruchtbare Boden war öde und wüste. Nur dem guten Willen der Schweden unterKanzler Oxensiierna und den redlichen, unverdrossenen Bemühungen seiner mitKlugheit thatigen Staatsmänner, Burkhard und Varenbühler, verdankt Würtem-Lerg seine gänzliche Wiederherstellung im westfal. Frieden. Allmälig erholte sich dasHerzogthum wieder, das Land unterstützte den ganz verarmten Regenten und dieRegierungscasse fast über seine Kräfte. Sogar neue Erwerbungen wurden gemacht,die man, ohne baß die ersten Urkunden darüber je bekannt geworden sind, als best»-deres Fideicommiß der Regentenfamilie und wie ein Majorat des Regenten zu be-handeln sich gewöhnte. Odschon bald nachher auch auf Würtemberg die Zeit Lud-wigs XlV. schwer drückte, obschon Melac und andre Mordbrenner dieses Königsdarin wüthetcn und zerstörten: dem Jammer des dreißigjähr. Kriegs kam diese neueNoth doch nicht gleich. Ein Hauplsitz des Übels bestand darin, daß Würtembergeine in ihrer Art einzige und höchst verderbliche Maitressenregierung, jene der Frauv. Grävenitz, unter Herzog Eberhard Ludwig, hauptsächlich dem Beispiele des stanz.K-migs verdankte. Seit dem span. Erbfolgekriegc hatte das H^rzogthum von äu-ßern Feinden Ruhe bis zu den Kriegen der stanz. Revolution. Nur einmal zogenfremde Heere durch, während des zweiten schlcs. Kriegs; am dritten nahm HerzogKarl Thcil, nicht eben mit kriegerischer Auszeichnung, aufgereizt von jugendlichemÜbermuth und stanz. Hülfsgeldern, außerdem in der Absicht, um durch seine Ver-bindung mit Ostreich gegen Friedrich d. Gr., durch Beistand der erstgenanntenMacht, die Stände seines Landes je länger je mehr mcderzudrücken. DaS Herzog-