Druckschrift 
Th. [1.] (1842)
Entstehung
Seite
243
Einzelbild herunterladen
 

Gustaf Adolfs Abreise.

243

Adolf von Holstein und im Jahr 1629 unter Arnhcim. Er hattesich die Herrschaft über die Ostsee angemaßt und den schwedischenHandel beunruhigt, und außerdem gegen alles Recht die Herzogevon Mecklenburg, des schwedischen Königshauses Verwandte ver-trieben; endlich Schwedens Gesandten schimpflich von den Friedens-Unterhandlungen zu Lübeck hinweggewiesen und dessen König denihm gebührenden Titel verweigert." Dieses Schreiben, in Vereinmit der hohen Meinung die man schon jetzt von Gustaf Adolfspersönlichen Eigenschaften hatte, belebte von neuem in unzähligenGemüthern die beinah ersterbende Hoffnung auf eine Rettung ausdem nahe bevorstehenden Joche Oesterreichs und des PabstthumeS.In England, Holland und Dänemark zeigte man seine Freude,seine Hoffnungen schon offner. Richelieu schwieg. Deutschland,welches schon litt, und für die Zukunft am meisten zu fürchtenhatte, wagte kaum ein einziges Wort zu äußern. Die Fürstenund das Volk verlangten gleich stark nach dem Befreier ausNorden, wie er genannt ward, und entsandten für den glück-lichen Fortgang seines Unternehmens die wärmsten Gebete, abernur ganz im Stillen. Oesterreichs Macht und das Beispiel derdurch das frühere Bündniß mit Dänemark unglücklichen Länder,hemmten jeden öffentlichen Ausdruck der allgemeinen Denknngsweise.Die Churfürsten verbaten sich ausdrücklich Gustaf Adolfs Herüber-kunft, ihn in ihren Briefen nicht einmal König, sondern nur Fürstnennend. Sie wollten lieber das gegenwärtige Uebel tragen, alsdurch neuen Widerstand noch mehr Ferdinands Zorn und Wallen-steins Schwert reizen. — Selbst Frankreich, welches den Königzu diesem Kriege angetrieben hatte, blieb anfangs unthätig. GustafAdolf weigerte sich nehmlich auf andre als vortheilhafte Bedingungeneinzugehen, und Richelieu wollte nichts wagen bis er gesehen hattewie die Sache sich wenden würde. Schweden und Gustaf Adolfstanden ganz und gar nur auf sich selbst angewiesen da.

Ende Mai 1630 wurden die Stände nach Stockholm berufen,und die schwer aufzulösende Frage auch ihnen vorgelegt. EinJeder konnte leicht die großen Beschwerden und Ungelegenheitenvoraussehen, welche dieser Krieg für die Zukunft mit sich führenmußte; aber dennoch erhob sich keine einzige Stimme dagegen.Das Edle und Großartige des Unternehmens riß alle Herzen mitsich hin, und das Volk brachte freiwillig sein Vermögen für die