48
Viertes Capitel.
. «
-i'
aus, daß die Nüssen auf keine Weise würden vermocht werdenkönnen, den schwedischen König selbst znm Beherrscher zu nehmen.Er hielt daher den eingetretenen Todesfall einige Zeit geheim,bis die Gemüther gehörig vorbereitet waren, worauf HerzogKarl Philipp a» dcö Bruders Stelle auSerkohren ward. Obgleichdiese Wahl durch de la Gardie'ö Ansehen und unter dem Ein-flüsse der schwedischen Kanonen vorgeschrieben worden, so wardsie doch balv und ziemlich allgemein anerkannt. Die Landesstrichevon Archangel, Jaroslaw, ja selbst von Moskau erklärten sichbereit, den schwedischen Prinzen anzunehmen.
In Stockholm war cS indessen anders beschlossen worden.Man wollte den Zufall benutzen, und entweder ganz Rußland,oder wenigstens einen Theil davon an Schweden bringen, undGustaf Adolf beabsichtigte daher, selbst die ihm früher angeboteneKrone zu nehmen. Dies erweckte Argwohn bei den 'Russen, undauf ihre und de la Gardie's Vorstellungen beschloß man, daßGustaf Adolf seine Ansprüche niederlegen, und Karl Philipp andessen Stelle das seitdem erhaltene Anerbieten annehmen und nachNowgorod reisen solle. Aber diese Reise ward von einer Zeitzur andern verschoben; der Gründe dazu gab es manche. Dievcrwittwcte Königin schwankte; sie wünschte freilich die großfürst-liche Krone auf deS geliebten Sohnes Haupt zu sehen, aber siehatte auch ihr Bedenken dabei, ihn zu einem so rohen und un-ruhigen Volke zu senden. Sie legte wirklich manche Hindernissein den Weg; balv sollte er sich noch weiter in seinen Studienvervollkommne»; bald wagte man cS nicht, ihn in der strengenJahreszeit hinzusenden u. s. w. Auch glaubt man, daß einigeder alten schwedischen Geschlechter ungern das große Ansehen sahen,welches der Stamm de la Gardie sich schon errungen, und dem-selben daher das noch größere mißgönnten, welches damit ver-bunden gewesen sein würde, dem königlichen Hause eine neueKrone zu erwerben. Die Regierung selbst strebte eifriger nachdem Vortheile, die schwedischen Grenzen auf Rußlands Kosten zuerweitern, als nach der Ehre, einen schwedischen Prinzen aus denrussischen Thron zu setze».
Aus allen diesen Gründen verzögerte sich die Abreise HerzogKarl Philipps, obschon die Russen einen Gesandten nach demandern schickten, um ihn zur Eile anzutreiben. Unterdessen fuhren