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V. Gegenwärtige Lage und Bedürfnisse.
den schmerzen? Dennoch ist ein solches Streben noch achtungs-werth, weil es von Wohlwollen zeugt. Verwerflich dagegen,und nicht thöricht, sondern verderblich ist das Treiben derer, diedurch rohe Verfolgung und Verhöhnung aller Versuche die Quel-len des Uebels aufzudeckcn und zu verstopfen sich angenehm ma-chen möchten. Solche Verneinung, wie sie in einigen Druck-schriften dcS Sommers zum Vorschein gekommen, ist sehr leicht;man bedarf zu ihr nur geringer Einsicht und vor allem einesselbstsüchtigen Gcmüthes. Denn es ist unendlich schwer, in sodunkeln Verhältnissen das Wahre zu treffen; wer kann nachjahrelanger Forschung behaupten, er kenne, übersehe alles? Umdesto verächtlicher ist es, jedes Streben zu verdammen, das Wohl-gemeinte zu bespotten, unbedenklich die eigne Weisheit zum Rich-ter zu erheben, die eitle Einbildung der Gegner zu belächeln,und wenn es gilt, selbst zu sagen was seyn sollte, leise demFragenden zu entschlüpfen. Diesem Getreide begegnen wir lei-der auch. Es ist der gerade Weg zur Erbitterung, das heißtzum Verderben, wie angenehm es auch hie und da ein Ohr ki-tzeln, wie klug und gewaltig der Tadler sich dünken mag.
ES ist nothwendig zu belehren, die Fehler zu enthüllen, dasMögliche zn bestimmen, damit nicht das Gute selbst verachtetund das Unmögliche verlangt werde. — Es ist nothwendig demVolke bestimmte positive Wünsche zu geben, damit deren Er-füllung ihm genüge und nicht jenes granzenlose Streben nachWohlbefinden, Freiheit und Reform der Herrschaft sich bemäch-tige, und um desto weiter führe, je weniger man weiß, wohinman will. Jedes Streben dieser Art ist achtungswerth. Wennirrig, so berichtige man cs, wenn thöricht, so tadle man. Aberniemals glaube man etwas ausgerichtct zu haben, wenn mandie Vorschläge verspotten kann, ohne Besseres an die Stelle zusetzen. Denn das Bestehende ist unvollkommen seiner Naturnach wie alles Menschliche, die Unvollkommenheiten werden jetztallgemein gefühlt, und wer den Strebenden erbittert, der giebtihm selbst die Waffen zu desto gefährlicherem Angriff.
Unfehlbar wird aber das Streben zum Bessern manchenverletzen. Bei uns wird dasselbe ganz vorzüglich den höhern