126 IV- Neueste Ereignisse.
zeichnen; aber sie sprach anch mit unerschütterlicher Festigkeit den
Willen aus, das Gemäßigte durchzusetzen.
In dieser Lage waren die Verhandlungen als zu Osterneine kurze Vertagung statt fand. Die zweite Cammer hatteder Regi'crungsparthei unter ihren Mitgliedern und auch wvhldie Negierung selbst die Nothwcndigkcit des Fortschritts bezeich-net; sie hatte die Gränzen gezogen, in denen sie sich haltenwollte, hatte dadurch der fernem Verdächtigung die Mittel ge-nommen. Aber die erste Cammer schien durchaus noch nicht indiese Ansichten cinzugchen. Der Augenblick war noch höchstkritisch, und unmittelbar nach der Vertagung vernahm man dieNachricht, der Minister v. Ompteda werde an die Stelle desGrafen Münster nach London gehen. Es ist oben bemerkt,wie sehr viel Gewicht ans die Ernennung des Vicekönigs geradedeshalb gelegt war, weil man hoffte, dadurch jene doppelteNegierung aufgehoben zu sehen, die zur Unzufriedenheit desLandes soviel beigetragcn hatte. Das Verlangen mach den Voll-machten des Vicckönigs hatte keinen andern Grund, als hierüberGewißheit zu erlangen und auch sich selbst klar zu machen, aufwelche Weise jener Wunsch erfüllt werden möge, dessen Aus-führbarkeit gar nicht Gegenstand der Erwägung wurde. Dazutraute man auch den Männern, die bisher die Verwaltung ge-leitet, nicht zu, daß sie im Stande seyn würden, in einem vondem frühem völlig vcrschiednen Geiste, so wie die zweite Cam-mer mit dem Lande es verlangte, die Geschäfte zu führen; nichtbloß zu erhalten, sondern mächtig zu fördern. Man ließ auch^ hier die Zustände des eignen Landes außer Augen, weil mannur gewohnt war, englische oder französische Verhältnisse zu se-hen; erwartete Ministcrwechscl ohne an die Möglichkeit derWiederbesctzung zu denken; und fand deshalb in diesem Ereig-nisse Rückschritte, mindestens eine Halbheit. Auch die mehrfachausgesprochene Hoffnung ans das persönliche Verhältnis; jenesStaatsmanns zu den Gliedern des königlichen Hauses war nichtgeeignet auf die Masse einen bedeutenden Eindruck zu machen.In dieser Stimmung empfing man die Mitthcilung der erstenCammer über die Vereinigung der Casscn. Der Hauptantrag,