Vorwort.
IX
zu logen denkt. Das ist zu jederzeit der größte Ruhm allercdeln Völker gewesen, daß sie ihr Vaterland über alles liebten,und um des Vaterlandes willen alles dahin gaben. Darumhaben wir in Bewunderung vor jenem tapfern Volke des Ostensuns gebeugt, weil Wohlstand, Glück, Leben, nichts ihm zutheucr gewesen ist, das es nicht willig von sich geworfen hatte,um das Vaterland zu retten. Auch unsre herrlichste, heiligstePflicht ist es, Glück, Ehre und Freiheit des Vaterlandes vorallem zu suchen, und mit allem, was wir haben, zu fördern.Nur der Selbstverleugnung und der Aufopferung kann das Gutegelingen. Diese aber sind nur da, wo Liebe des Vaterlandesist, und nicht wo man bloß nachFreiheit ruft um blinder Selbst-sucht willen. In schweren Zeiten, aber dennoch mit hohemRuhme haben die Vater uns das Vaterland überliefert, wir sinddie Zeugen der tiefsten Erniedrigung gewesen, und seiner un-würdig waren wir, wenn wir noch einmal verschuldeten, daßZwietracht und Selbstsucht das deutsche Land dem Fremden über-lieferte. Daruin sollen wir wachen, darum müssen wir unver-wandten Blickes die Feinde beachten, die innen und außen unsdrohen, und die Waffen, die uns retten können. Jahrhundertelang hat Deutschland den Ruhm behauptet, daß es unbesiegbarsey, wenn nicht durch eigne Waffen. Jahrhunderte lang istDeutschland von allen geschmäht, weil die unselige Politik sei-ner Fürsten jedem Feinde deutsche Waffen gab, um Deutschezu bekämpfen, Jahrhunderte lang haben die Völker diese Schmachverflucht. Jetzt wollen die Völker nach eignem Sinne die Er-eignisse leiten. Mögen sie denn allch eingedenk seyn, was ihreerste Pflicht ist, und daß jeder zum Verderben räth, der dasVaterland verleugnet.
Diese Gedanken haben mich bewogen in großer Eile, untermancherlei Abhaltungen die gegenwärtigen Bogen niederzuschrei-ben; manches mag in ihnen unangenehm, manches irrig seyn;überall fehlt noch die Kraft, mit der ich gewünscht hatte, mein