Vorwort. " V
diese in sich wenigstens noch fest verbundenen Theile wieder zueinem festen Ganzen zusammenzufügen.
Aber seit langer als vierzig Jahren ist nun alles Vorhan-dene getadelt, verhöhnt, bekämpft, gewaltsam vernichtet, dann— was schlimmer ist als alles — hergestellt, als die Fehleroffenbar waren; aber nicht vollkommen, wie das Volk es ge-wünscht hatte, sondern so wie cs den Mächtigem gefiel, unddann benutzt, um unter dem trügerischen Scheine des Rechts bil-lige Ansprüche zurückzuwcisen. — Dazu hat Aufklärern, Ge-nußsucht, Luxus den Glauben, die Sitten und die Erziehungbei Großen und Kleinen untergraben. Und in dieser Verwir-rung und Auflösung sind unsre Jünglinge und selbst unsreMänner geboren; ja sogar unter den Greisen sind nur nochwenige, die sich die unverwischte Erinnerung jener Zustände er-halten hätten. Das ist überall der Fall durch ganz Deutsch-land; wen kann cs wundern, wenn auch jetzt jene Auflö-sung durch ganz Deutschland geht und nirgend ein Punct ist,aus den man mit Freude und ruhigem Vertrauen blicken könnte?
Das deutsche Volk ist nicht unfähig, Ordnung und Ruhezu ertragen, es ist nicht unfähig, das Große und Edle mitLiebe zu ergreifen; vielmehr ist kein Volk, das der Ordnung sozugcthan, dem auch im politischen Leben Liebe so sehr Bedürf-nis; undAntricb zu allein Großen und Edlen wäre, als das deut-sche. Wir selbst haben die Zeit erlebt, da das Volk sich auf-raffte aus der tiefen Erniedrigung, in die es durch jenen Geistder Auflösung und durch Zwietracht und vermeinte Politik sei-ner Herrscher versunken war. Da war Liebe, da war Kraft,da trieb nicht dumpfe Unzufriedenheit zum Aufruhr, sondernLiebe des Vaterlandes auf die Schlachtfelder. In dieser Liebedes Vaterlandes war eine unüberwindliche Kraft zu politischerGestaltung und selbst zu sittlicher Besserung; aber diesen Schatzhaben wir verschleudert, diesen Augenblick haben wir versäumt,und die Folgen liegen vor uns. Als von dem Alten das Vcr-