Wanderungen Jesu während seiner Leiden. 435
er das Kreuz nicht weiter zu tragen vermöchte, und deshalbeinen gewissen Simon aus Cyrene, der vom Lande kam,nöthigte, Jesu beizustehn.
Cyrene oder Kyrene war die Hauptstadt von Cy-rcnaika, einer Provinz in Afrika, die an die WestseiteAegyptens grenzte. Dort lebten schon seit längerer Zeitmehrere Juden, zu denen also Simon wahrscheinlich gehörte,welcher zur Feier des Passahfestes nach Jerusalem gekommenwar und jetzt als der Erste, der den Soldaten in den Wegkam, ergriffen und gezwungen wurde, dem ermatteten Jesudie Last zu erleichtern, damit der Zug keine Verzögerungweiter erleiden sollte. Vielleicht gehörte Simon auch zu JesuAnhängern; wenigstens wurden seine Söhne, Alexanderund Rufus in der Folge Christen. Nach einigen soll Simonaus einer Stadt Cyrene in Medien gewesen seyn.
Nach der gewöhnlichen Annahme trugen nun Jesus undSimon zugleich das Kreuz, so daß der Erstere vorangingund der Letztere folgte, indem er das untere Ende des Kreu-zes hielt. Die Stelle, wo Simon genöthigt worden seynsoll, Jesu das Ktzeuz tragen zu helfen, ist durch einen lan-gen Stein ausgezeichnet, der sich im Straßenpflaster befindet,aber nicht über dasselbe hervorragt. Hier ist die fünfte Station.
Wenn man noch 50 Schritte weiter gegangen ist, somacht der Weg eine Beugung mittagwärts und nun gelangtman in die große Straße, die ihre Richtung wieder gegenAbend zu nimmt. In dieser Straße zeigt man das Hausdes armen Lazarus oder vielmehr dasjenige, welches aufdie Stelle des ursprünglichen erbaut worden seyn soll, und25 Schritte weiter abendwärts, links das Haus des rei-chen Prassers, der dem armen Lazarus keine Wohlthaterzeigte; denn nach der Meinung mehrerer Schriftsteller deralten christlichen Kirche war Jesu Erzählung von dem reichenManne und armen Lazarus (Luk. 16, 19 — 31.) keine bloßeParabel, sondern eine wirkliche und bekannte Begebenheit *).
,*) Nach der Meinung des Chrysostomus sind Jesu Parabeln oderGleichnisse Beispiele aus dem wirklichen Leben, wobei der edle Menschen-freund nur die eigentlichen Namen der Personen mit andern vertauschte.Dieser Meinung stimmen mehrere Kirchenvater bei, unter Andern Ambro-
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