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Die Reisen Jesu oder Beschreibung u. Schilderung des jüdischen Landes u. seiner Bewohner : mit 12 Kupfern u. 1 Kt.
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367
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Reisen Jesu der dritten Periode rc. 367

waren vergeblich gewesen, und so sah er wohl ein, daß nur^ die Erfahrung die Menge von ihrem Vorurtheile heilen konnte.

Als der Zug über die höchste Stelle des Weges hinwegwar und nun von dem Oelbergc hinab nach der Stadt ging^ singen auch die Jünger Jesu aus Freude über die außeror-dentlichen Thaten, die sie ihren Meister hatten verrichten ge-sehn, an in dem Jubclruf des Volkes mit einzustimmen, sodaß nun vor und hinter Jesu und zu dessen Seiten lauterJubel tönte. Nur die Pharisäer, die auch hier nicht fehltenund wie gewöhnlich die Auflauerer machten, schwiegen undI aus Unwillen über die Ehre, die man dem von ihnen Ge-' haßten erwies, traten sie zu Jesu und forderten ihn auf, sei-nen Jüngern doch zu befehlen, daß sie von dem Jubelgeschreiablassen sollten. Allein Jesus, in dem Gefühle seiner ächtenMessi'aswürde, erklärte ihnen, daß wenn auch seine Begleiter! jetzt schwiegen, es doch kund werden müsse, daß er der sey,welcher im Namen des Herrn komme. Das Freudengeschrerj dauerte also fort und mit großem Aerger sprachen die Pha-j risäer unter einander:Man kann jetzt nichts ausrichten,

denn Alle wenden sich zu ihm."

Unterdessen war Jesus auf die Stelle des Weges ge-kommen, von wo aus man die Stadt in ihrer ganzen Größeund Herrlichkeit überschauen konnte. Daher sielen die Blickedes edlen Menschenfreundes jetzt auf sie hin, und düstre Ah-nungen von dem künftigen traurigen Schicksale Jerusalemsund der Einwohner desselben bemächtigten sich seiner Seeleund lockten Thränen in seine Augen. Schwer siel ihm diejetzige Verblendung der Juden auf das Herz, und deshalbrief er wehmüthig aus:Unglückliche Stadt, wüßtest du

doch, was für ein Schicksal dir bevorsteht; dann würdest duauch bedenken, was dir heilsam ist, jetzt, wo noch Zeit zurRettung dir gelassen wird!" Und nun sprach er von ihrerBelagerung und Zerstörung, wie sie auch wirklich beinahe 40Jahre nach seinem Kreuzestode erfolgte.

Auch auf der Stelle, wo Jesus Thränen über daskommende traurige Schicksal Jerusalems vergossen haben soll,hatten die Christen in der Folge eine Kapelle erbaut, von