Reisen Jesu der dritten Periodew. 221
freiwillig, als Vcspasianus aus Syrien in Galiläa einrückte;und nach der Zerstörung Jerusalems wurde es der Hauptsitzder jüdischen Obrigkeit und der Rabbinen. Es bildete sichdort eine jüdische Akademie, durch welche die Schriften des al-ten Testamentes und die Sprache der Juden erhalten wurde,und die bis zu der Zeit dauerte, wo die Araber unter demKhalifen Omar Syrien eroberten. Im 4. Jahrhunderte nachChristus war Liberias der Sitz eines Bischofs geworden; aberauch das blieb es nicht mehr, als die Araber 636 unter Omarsich zu Herren von Palästina machten. Erst zu den Zeitender Kreuzzüge wurde es wieder ein Bischofssitz, jedoch auchnur auf kurze Zeit.
Jetzt heißt die Stadt Tabaria, liegt aber nicht aufder Stelle der alten, sondern nördlich außerhalb der Ring-mauern des alten Liberias und ist auch etwas kleiner. Vonder alten Stadt findet man noch bedeutende Ueberrcste, dienoch Zeugniß von ihrem ehemaligen Glänze ablegen. Dasheutige Labaria ist von drei Seiten mit einer Mauer ausBasaltsteinen umgeben, die sich mit ihren beiden Enden anden See anschließt, der die vierte Seite der Stadt begrenzt.Auf der Mauer befinden sich in ungleichen Zwischenräumenzwanzig Thürme, so daß auf diese Weise die Stadt'als Fe-stung gelten kann. In der Stadt befindet sich eine noch ziem-lich gut erhaltene christliche Kirche, die dem Apostel Petrusgeweiht ist und die auf der Stelle erbaut worden seyn soll,wo Petrus sein Netz auswarf, als Jesus zu ihm kam undihn aufforderte, mit ihm zu gehn (Matth. 4, 18.). Sie ist20 Schritte lang und 9 Schritte breit und gehört der Brü-derschaft von Terra santa. Am Pcterstage wird sie jährlichvor! den fränkischen Missionären in Nasrat besucht, die eineMesse darin halten. Die Häuser der Stadt sind größtentheilsnur elende Hütten. Die Zahl der Einwohner beträgt gegen4000, von denen der vierte Theil Juden ist, die ihre Woh-nungen in der Mitte der Stadt nach dem Ufer des Sees zuhaben. Die übrigen Einwohner sind Türken und griechischeChristen. Die meisten Einwohner beschäftigen sich mit Feld-bau, wozu die Gegend sehr günstig liegt, der aber noch besserund vortheilhaftcr getrieben werden könnte. Das Klima ist