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Die Reisen Jesu oder Beschreibung u. Schilderung des jüdischen Landes u. seiner Bewohner : mit 12 Kupfern u. 1 Kt.
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187
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Reisen Jesu der zweiten Periode rc. 187

See hinaus steuern und forderte alsdann seine Jünger auf,die Netze auszuwerfen. Diese hatten schon die ganze Nachthindurch vergeblich sich bemüht, einen Fang zu thun; alleinaus Gehorsam gegen ihren Meister thaten sie, was derselbeverlangte, und sahen ihre Mühe herrlich belohnt; denn einensolchen reichen Fang, wie er ihnen jetzt zu Theil wurde, hat-ten sie noch nie gethan. Daher faßte sie auch um so höhereEhrfurcht vor ihrem Meister, und Petrus erklärte auf dasinnigste bewegt, daß er der Nähe seines Lehrers gar nichtwürdig sey. Doch Jesus beruhigte ihn mit seiner gewöhnli-chen Freundlichkeit, und versicherte ihm nochmals, daß er ihndazu ausersehn habe, Menschen dem Gottesreiche zuzuführen.

So wirkte Jesus stets ausgezeichnet und mußte seinenRuhm überall erhöhn. Auch erklärten diejenigen, die ihn sahnund hörten, daß sie noch nie solche Thaten gesehn, noch niesolche Worte vernommen hätten, als sie es bei Jesu fanden.

Seine Art und Weise zu lehren, war aber auch eineganz andere, als die der gewöhnlichen Rabbiner» und Schrift-gelehrten. Diese trugen meistentheils nur Angelerntes vor mitvielen Stellen der heiligen Schriften ausgeschmückt, was ihreVortrüge etwas trocken und kalt machte. Bei Jesu aber kamAlles aus der Fülle seines reichen, von Gott begeisterten Ge-müthes, und was er vortrug, war für das Bedürfniß desmenschlichen Geistes und Herzens wohl berechnet; daher spraches auch Jedermann an. Ein reiches, klares Wissen, verbun-den mit Gegenwart des Geistes und Leichtigkeit und Gewand-heit im Ausdruck, bei voller Selbstbeherrschung und warmemEifer für Menschenwohl machte seine Reden zu den ausge-zeichnetesten, die man jemals gehört hatte. Bei seiner klarenErkenntniß und vollkommenen Gemüthsruhe floß die himmli-sche Weisheit von seinen Lippen gleich einem sanften, hellenBach erquickenden Wassers. Die Demuth und Bescheidenheitdie in allen seinen Reden und in seinem ganzen Wesen sichkund gab, zog um so mehr die Menschen an und machte seineWorte um so eindringlicher. Dabei richtete er sich nach derBerstandesfähigkeit und Fassungskraft seiner Zuhörer und gabseinen Reden allgemeine Verständlichkeit; auch unterließ ernicht, nach der Weise der Morgenlander, Denk- und Sitten-