56 Zweites Buch. »
gelegtem, jedoch etwas beschädigtem weißen Marmor gebildet !ist, und welche die GebuNsstatte Jesu bezeichnen soll. Diese lVertiefung wird von einem silbernen aus Strahlen gebildetenKreise umgeben, auf welchem die Inschrift zu lesen ist: „liiellö virgirie Murin .Is8N8 Llari^rrs Nii1u8 68b" („Hier istvon der Jungfrau Maria Jesus Christus geboren worden.").Hinten bei dieser Vertiefung ist an der Wand eine Marmor-platte in Gestalt eines Altars, an welchem Messe gelesen wirdund über welchem drei schöne Lampen vor einem Gemälde,das Jesu Geburt darstellt, hangen. Uebcrhaupt sind in derGrotte 68 Lampen angebracht, die immerwährend brennenund dieselbe erhellen, da sie gänzlich des Tagslichtes erman-gelt. Am Eingänge der Grotte zeigt man eine in den Fel-sen gehauene Höhlung als die Krippe *) und daneben einenStein von der Gestalt einer Wiege als die Stelle, wo Jesusauf dem Stroh lag ** ***) ). An der Geburtsgrotte befinden sichnoch einige Nebenhöhlen, die eben so viele Kapellen ausma-chen. Da ist die Kapelle des heiligen Joseph, des Gattender Maria; die Kapelle der unschuldigen Kinder, eine Höhle,in welcher die besorgten Mütter vergeblich ihre Kinder vorden Nachstellungen des Königs Hcrodcs verborgen haben sol-len, und in welcher sie ihre Lieblinge gemordet sahen; dieKapelle und das Grab des heiligen Hieronymus; die Kapelleder heiligen Paula und ihrer Tochter, der heiligen Eusto-chium und noch einige andere Kapellen und Grabmäler.
*) Die eigentliche Krippe, i» welcher Jesus als neugcbornes Kind ge-legen haben soll, zeigt man in Rom vor.
Diese Grotte ist wohl nicht diejenige Höhle, in welcher Jesus ge- ^boren wurde; wenigstens weist man, dast sie der Kaiser Justinianns erbauen jließ. Auch ist sie um das Jahr 1670 erneuert worden durch einen reichen iFleischer zu Konstantinopel, der eine Summe von fast 100,000 Thalern sdarauf verwendete; von welcher Summe freilich ei» großer Theil aufging, >um nur die Erlaubniß zur Reparatur der Grotte vom türkischen Hose zubewirken. Manche halten die später beschriebene Säughöhle für die Ge-burtsgrotte.
***) Hieronymus, einer der gelehrtesten lateinischen Kirchenvater, dersich vorzüglich durch seine UebcrseHung der Bibel in die lateinische Spracheverdient gemacht hat, welche UeberseHung der Bulgata zum Grunde liegt,begab sich 386 nach Palästina und lebte daselbst bei Bethlehem bis an sei-nen Tod 420. Ihm folgte nach Palästina Paula, eine Römerin aus vor-nehmem Geschlechte. Diese wurde von der Geburtsstätte Jesu so angezogen,daß sie daselbst den Rest ihres Lebens zubrachte, und dort ihre Ruhestättewählte, welche auch die ihre» frommen Tochter wurde. Sie baute von ih- >