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Zweites Blich.
einander leben. Es liegt zwei Stunden südlich von Jerusa-lem an dem Abhänge eines röthlichen Berges von mäßigerHöhe, der sich von Osten nach Westen erstreckt, und wird voneinigen Hügeln umgeben. Seine Lage ist schön. Von demhöchsten Theile des Berges, aus dem es liegt, hat man eineschöne Aussicht auf die Gegend von Jericho, auf das todteMeer und auf die arabischen Gebirge. Nach Norden eröffnetsich ein weites Thal, das fruchtbar an Getreide und reich anViehweiden ist, und in welchem auch Weinpflanzungen, Oel-bäume, Feigenbäume und Granatapfelbäume sich finden. Lei-der bauen die Bewohner die Gegend nicht fleißig genug anund beschäftigen sich mehr mit der Verfertigung von Rosen-kränzen und Kreuzen aus Perlmutter und Asphalt.
Der Ort, wo Jesus geboren worden seyn soll, liegtsüdöstlich von Bethlehem, ohngefähr 200 Schritte von ihmentfernt. Schon die ersten Christen hatten dort eine Kapelleerbaut; allein der Kaiser Hadrian ließ sie zerstören und einenTempel des Adonis daselbst errichten, um dadurch die Vereh-rung jener den Christen heiligen Stätte zu vernichten und Hei-den dahin zu ziehn. Doch dieser Tempel zerfiel noch vor derRegierung des Kaisers Konstantin in Trümmer, und die Kai-serin Helena ließ im Jahre 320 eine schöne Kirche daselbsterbauen, welcher in der Folge von verschiedenen christlichenFürsten noch Manches zugefügt wurde. Diese Kirche, dieSt. Marienkirche genannt, ist von behauenen Steinen kreuz-förmig im griechischen Style erbaut. Sie ist im Ganzen 76Schritte lang, im Kreuz aber 46 und im Schiffe 30 Schrittebreit. Das lange Schiff der Kirche oder gleichsam der Stammdes Kreuzes, das sie bildet, hat an jeder Seite einen Flügelund enthält 48 Säulen, die in vier Reihen stehn. Jede Säuleist 18 Fuß hoch und hat am Grunde etwas über 7 Fuß imUmfange« Fuß und Schaft der Säulen bestehn aus EinemStücke von blaßrothem geschliffenem Marmor, und sind nachjonischer Ordnung gearbeitet; die Kapitäler aber bestehn ausweißem Marmor, tragen noch Spuren von ehemaliger Ver-goldung und sind nach korinthischer Ordnung gebildet. DasSchiff hat weder Gewölbe noch Decke, sondern auf den Ka-pitälern der Säulen liegen hölzerne Balken, über denen sich