Einleitung.
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müsse und Niemanden außer ihm als Herrn lind König an-erkennen dürfe. Daher wollten sie auch die Oberherrschaftder Römer nicht gelten lassen, und deshalb wurden wahrschein-lich Mehrere von ihnen auf Befehl des Landpflegcrs Pilatushingerichtet (Luk. 13, 1.).
Durch alle diese nach und nach entstandenen Partheien,unter denen wieder eine mehrfache Zerspaltung statt fand, gingaber unter den Juden die heilsame Einheit verloren; durchdie sich widerstreitenden Meinungen und Grundsätze konnte nurVerwirrung in dem religiösen Leben derselben cinrcißen, undZwietracht und Anfeindungen mußten unter ihnen einheimischwerden. Wie konnte also ihr Zustand ein glücklicher seyn?wie die Sittlichkeit, die schönste Blüthe und herrlichste Fruchtder wahren Religion, unter ihnen wachsen? Auch die Judensielen, wie die Heiden der damaligen Zeit, der Herrschaftihrer Lüste und Begierden anheim, und die Sünde gewannmächtige Gewalt, die unter dem Drucke der römischen Ober-herrschaft noch bedeutend gesteigert wurde, weil der Druck fort-während zu Widersetzlichkeiten reizte. Daher erwachte nununter ihnen das heiße Sehnen nach Verbesserung ihres Zu-standes, und mit Inbrunst gaben sie sich der Hoffnung hin,welche schon in frühern Zeiten durch die Propheten ihnen er-weckt worden war, daß ein Messias, ein Retter und Be-glücker seines Volks kommen werde. Jetzt, wo ihre Lagedie elendeste war, jetzt müsse diese Hoffnung in Erfüllunggehn; bald werde ihr Retter erscheinen; diesem Glauben ga-ben sie sich ganz anheim. Und sie täuschten sich nicht, frei-lich nur, in so fern wirklich der Heiland der Menschheit ge-boren wurde, obschon er ein anderer war, als sie ihn erwar-teten , da sie in ihm einen irdischen König zu gewinnen hofften.
Die Zeit war nun erfüllt, welche Gott auscrschn hatte,das verirrte Menschengeschlecht zurückzuführen auf den Wegdes Heils. Er sendete Jesum, damit dieser die beglückendeFreiheit bringen sollte, die Geistesfreiheit, bei welcher derMensch allein nur das Höchste gewinnen kann. In jener er-eignisreichen Zeit, in welcher der römische Kaiser Augustusherrschte, der mit gewaltiger Macht die Völker der Erde unterseinem Scepter gebeugt und eine neue Ordnung in die bür-