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Clavier und auf der Orgel vorgetra-gen hat? Eher ließen sich gewisseleichte Bewegungen, die die Empfin-dung, wovon der Künstler beseelt ist,ihm ohne sein Wissen ablokt, entschul-digen. Aber weit gefehlt, daß wirden jungen Künstler hierauf auf-merksam machen sollten, rächen wirihm vielmehr, sich gleich anfangsan eine ruhige und anständige Stel-lung zu gewohnen, und sich nichtmehr zu bewegen, als unumgänglichzu den: Vortrag nothig ist. Jeder-mann wird ihm alsdann, wenn seinVortrag sonst gut ist, mit desto mehrVergnügen zuhören, und zusehen.Daß diese Anmerkung den Theater-sanger nicht angehe, bedarf wol kei-ner Erklärung.
Diese Annehmlichkeiten gehen denVortrag überhaupt an, und sind beyallen Stäken von allem und jedemCharakter und Ausdruk von gleicherErheblichkeit. Ganz anders verhaltes sich mit den Verzierungen. Hier-unter gehören: i) alle Manieren, dieder Tonsetzcr nicht angezciget hat,und Veränderungen ganzer Satze;diese können nur m gewissen Stäken,wo sie würklich zur Verschönerungdes Ausdruks dienen, angebrachtwerden: dergleichen sind die vonzärtlichem, gefälligem, munterm Cha-rakter und Ausdruk. In solchenStäken können gute Verzierungenwesentlich werden. Sie müssen abermit Maaße und unr da angebrachtwerden, wo der Tonsetzcr einen schik-lichcn Ort für sie gelassen hat: siemüssen von Bedeutung seyn, undden Charakter und Ausdruk desGanzen annehmen, nicht alltäglicheSchlendrians, die allenthalben an-gebracht werden können, und nir-gends von Bedeutung sind: sie müs-sen ferner nicht wiederdieRegeln desreinen Satzes stoßen; sie müssen end-lich mit der größten Delikatesse vor-getragen werden. Hiezu gehört aberWertigkeit, Geschmak und Kenntmß
der Harmonie.' Wer diese nicht ineinem hohen Grade besitzt, sollte essich niemals einfallen lassen, Verän-derungen in einem Stük anzubringen»statt den Ausdruk zu verschönern,wird er ihn vielmehr verunstalten.Der Zuhörer von großem Geschmakhält sich überhaupt au dem, Wesent-lichen des Ausdruks, und hörtaufdie Verzierungen der Melodie nurobenhin, wenn sie gut sind; aber erwird aufs höchste unwillig, wennsie nur einigermaßen schlecht sind.Dann giebt es Melodien, die schonan und für sich so schön sind, daß dergeringste Zusatz von treu.der Schön-heit ihnen alle eigenthümliche Schön-heit benimmt. Ja einige Tonsetzersind in ihrer Schreibart so exacc, daßsie alle und jede Verzierungen selbstanzeigen, und in Noten aussetzen:werden hier Manieren gnsManicren,Veränderungen auf Veränderungengehäuft, so kömmt eine baroke Schön-heit zum Vorschein, die mit Schel-len und ransend bunte» Farben be-hängen ist. Uebcrhanpt vertragenalleStüke von pathetischem, großemund ernsthaftem Charakter uno Aus-druk, die schwer und nachdrüklichvorgetragen seyn wollen, durchauskeine Verzierungen. Key diesen istes Schönheit, daß sie gerade sovor-getragcn werden, als sie geschriebensind; zumal strenge und ausgearbei-tete Stäke: desgleichen alle Stäkevon sehr rührendem Ausdruk; essey denn, daß der Tonfttzer ei-ne nachlässige Schreibart asscctirt,wo gewisse kleine Veränderungender vorgeschriebenen Melodie, undhinzugefügte Manieren, des gutenGesanges wegen, nothwendig wer-den.
2) Die Fermaten und Cadcnzen.-Wir wollen hier weder untersuchen,in wiefern sie überhaupt natürlichoder unnatürlich, dem Ausdruk zumSchaden oder Nutzen sind, noch dar-über seufzen, wie sehr ihr übertne-
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