V o r
M mit 5 bezeichneten Noten sind soviele Hauptrone dieses Satzes, dieweit nachdrüklicher als die übrigenvorgetragen werden müssen. Diesyncopirten Noten des siebenten Tak-tes sind zwar keine eigentlichen Haupt-töuc; man hat hier aber nur Anzei-gen wollen, daß man dergleichen No-ten wie Hauptkone vorzutragen habe,nämlich fest und nachdenklich, undnicht, wie häufig geschieht, mit Nu-llungen, indem die ersie Halste derNote schwach angegeben, und diezweyte Halste derselben durch einenNuk verstärkt wird, um die gutenZeiten des Takts fühlbar zu machen.Der Gcschmak hat die syncopirtenNpttn eingeführt, um dadurch, daßdie natürlichen Accente des Takts aufeine kurze Zeit würklich verletzt wer-den, Mannichfaltigkeit in die Bewe-gung zu bringen, und durch die Wie-derherstellung ihres natürlichen Gan-ges denselben doppelt angenehm zumachen.
Dieses mag hinreichend scyn, die-jenigen, die ein Stük deutlich vortra-gen wollen, auf die Accente desselbenaufmerksam zu machen. Man be-greift leicht, daß die Beobachtungderselben dem Vortrag außer derDeutlichkeit ein großes Licht undSchatten gicbt, zumal wenn unterden Haupttänen wieder eine Verschie-denheit des Nachdruks beobachtetwird, indem immer einer vor dem än-dern, wie die Hauptworte in der Re.de, mehr oder weniger Nachdrukverlanget. Dadurch entstehen denndie feinen Schattirungen des Star-ken und Schwachen, die die großenVirtuosen in ihren Vortrag zu brin-gen wissen. Aber zu sagen, wound wie dieses geschehen müsse, istso schwer, und denen, die nicht ei-gene Erfahrung und ein feines Ge-fühl haben, so unztweichend, daßwir für überflüßig halten, uns län-'ger dabey aufzuhalten.
Vor ?oz
4) Müssen die Einschnitte aufsdeutlichste und richtig marquiret wer-den. Die Einschnitte sind die Coin-mata des Gesanges, die wie in derRede durch einen kleinen Ruhepunktfühlbar gemacht werden müssen. DüSgeschieht, wenn man entweder dieletzte Note einer Phrase etwas ab-setzt, und die erste Note der folgen-den.Phrase fest wieder einsetzt; oderwenn man den Ton etwas sinkenlaßt, und ihn mit Anfang der neue»Phrase wieder erhebt.*) Härt diePhrase mit einer Pause auf, sohat dieses keine Schwierigkeit; derEinschnitt marquirt sich von sichselbst.
Endigt die Phrase aber mit kei-ner Pause, so crfodert es mehrKunst, den Einschnitt jederzeit rich-tig zu marquircn, weil er schwererzu entdcken ist. Dem Sänger zwarmacht eS, außer in den Passagen,keine Schwierigkeit, weil er sichnur nach den Einschnitt» der Wor-te, über die er singt, zu richten hat,mit denen die Einschnitte der Melo-die genau zusammen treffen müssen:aber dem Spieler. Die Hauptre-gel, die hiebey in Acht zu nehmen ist,ist diese, daß man sich nach dem.An-fang des Stüks richte. Ein voll-kommen regelmäßiges Tonstük be-obachtet durchgängig gleiche Ein-schnitte: nämlich, mit wclcherNotedes Takts es anfangt, mit ebender Note fangen auch alle seine
Phra-
*) Das Wort Pbrase wird hier In derumsa'nglichsten Bedeutung genommen,indem sowol die Einschnitte, als auchAbschnitte und Perioden des Gesan-ges darunter verstanden werden. ImVortrage werden alle diese Einthei-lungcn duf einerlei? Weise marquirt L.und wenn würklich von groscn Spie-lern oder Sängern eine Gchaltirun«unter ihnen beobachtet wird, so istdiese doch so subtil, und so weit-läuflig zu beschreiben, daß wir unsmit der blsßen Anzeige derselben bt?«nügen.