7vc> Vor
Vortrag.
(Musik.)
Ist das, wodurch ein Tonstük hör-bar wird. Von dem Vortrage hängtgrößtentheils die gute oder schlechteWürkung ab, die ein Stük auf denZuhörer macht. Ein mittelmäßigesEtük kann durch einen guten Vor.trag sehr erhoben werden; hingegenkann ein schlechter Vortrag auch dasvortrefflichste Stük so verunstalten,daß es uukennrlich, ja unaussteh.lich wird.
Da die Musik überhaupt nur durchdie Aufführung oder den Vortragdem Ohr mitgethcilt werden kann,und der Zonsetzcr bey Verfertigungeines Etüks allezeit auf den Vortragdesselben Rüksicht nimmt, und dannvoraussetzt, daß es gerade so, alser es gedacht und empfunden hat,vorgetragen werde» so ist die Lehrevom Vortrage die allerwichtigste inder praktischen Musik, aber auch dieallerschwcrcste, weil sie gar vitle Fer-tigkeiten voraussetzt, und die höchsteBildung des Virtuosen zum Endzwckhat.
Jede Gattung von Tönstüken der.langet eine ihr eigene Art des Vor.trags, die wieder in Ansehung desVortrags der Hauptstimme und derBegleitungsstimmen unterschieden ist.Da von dem, was bey dem letzterenzu beobachten ist, hinlänglich an ei,nein andern Ort gesprochen worden,")so haben wir es hier blos mit demerstem zu thun, und zwar nur in so-fern unsre Anmerkungen, die dasWichtigste, was bey dem gutenVök-trag einer Hauptstimme zu beobach-ten ist, enthalten werden, auf alleund jede Instrumente und die Singe-stimme angewendet werden können,ohne uns in das, was bey jedemInstrument in Ansehung des Mecha.Nischen, als der Führung des Bo-gens bey der Violine, des Anschlags
*) S. Begleitung.
Vor
auf dem Clavier, des Windes undZnngcnstoßes bey der Flöte :c. be.sonders zu beobachten ist, ciuzulas.sen, weil davon allein ein großesBuch geschrieben werden könnte.Auch haben die Manner Back,Guan; und Mo-art hierüber derWelt die wichtigsten Vortheile andie Hand gegeben;*) und es wärezu wünschen, daß man auch vonallen übrigen Instrumenten solcheLehrbücher hätte.
Es verhält sich mit dem Vortrageiner Hauptstimme, wie mit demVortrag der Rede. Derjenige, derblos die vorgeschriebenen Note» liest,und alles gethan zu haben glaubt,wenn er sie nur rein und im Taktsingt oder spielt, hat so wenig einenguten Vortrag, als der Redner, derblos deutliche Worte ausspricht,ohne den Ton seiner Aussprache zuverändern. Wer an einem solchenVortrag ein Wohlgefallen findet,Herrath eine gemeine oder nnausge-bildete Seele. Zuhörer von Ge.schmak und Empfindung haben da-vor einen Ekel.
Jedes gute Tonstük hat, wie dieRede, seine Phrasen, Perioden undAccente; außerdem hat es ein'be-stimmtes Zeitmaaß, nämlich denTakt; diese Stüke müssen im Vor.trag fühlbar gemacht werden, ohne-dem bleibt es dem Zuhörer unoer-stündlich. Daher ist Deutlichkeitdas erste, was bey dem guten Vor-trag zu beobachten ist. Dann kömmtder! Ansdruk und Charakter des Ton-stüks in Betrachknng: ein anderesist ein fröhliches, ein anderes ein pa-
theti-
5) S. Die Capitel vom Vortrag in denbekannten Wecken: Bachs Versuchüber die wahre Act das Clavier zuspielen; Onanzens Versuch einer An-weisung die Flötraversiere zu spielen:Mozarts Violinschule; und tür dieSinBtmmc das schöne Werk der Agri-colaischcn Ilcberscynng des Tost Änlei-ttmg zur Singkunst.