Ver
wandt, wenn die verschiedenen In-tervalle der Toxica in beyden nichtsehr unterschieden sind. In einem,nach der glcichschwcbenden Tempe-ratur gestimmten Clavier sind garalle Töne in Absicht auf die Verse-tzungen gleich verwandt, und völligeinerley; denn jede Tonica hat ge-nau dieselben Intervalle, wie dieandre:*) aber auch auf einem sol-chen Instrument sind nicht alle Tönein Absicht auf die Ausweichungengleich verwandt.
Wenn von der Verwandschaft derTone gesprochen wird, so verstehetman insgemein die Vcrwandschast,die in Absicht auf die Modulation be-trachtet wird. Von dieser ist hierallein die Rede, da von der andernin dem Artikel Versetzung gespro-chen wird.
In etwas längern Tonstüken,wo zwar dieselbe Hauptempfindungdurchaus herrscht, aber doch in ih-rer Stimmung, oder ihrem Ton ver-schieden, oder oft gleichsam andersschatrirt wird, kann der Gesangnicht in einem Tone bleiben, sondernwird durch Ausweichungen in ver-schiedene andere Tone hcrübcrgeleitet.Dieses kann nun so geschehen, daßallemal der nächste Ton, in den manausweicht, in seinem Charakter mehroder weniger Uebereinkunft, das ist,mehr oder weniger Verwandschaftmit dem vorhergehenden hat. Wennitzt die Empfindung durch merklicheSchartirung sich von der vorherge-henden unterscheiden soll, so mußman in einen etwas entfernten, dasist, wenig verwandten Ton auswei-chen j soll aber die Schattirung we-niger merklich, oder abstechend seyn,so weichet man in einen naher ver-wandten Ton ans. Also muß manbey der Modulation die Vcrwand-schast der Tone norhwendig vor Au.gen haben. Deswegen muß man
') S. Temperatur.
Vierter Theih
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auch die Grade dieser Verwandschaftbestimmen können.
Also entstehet hier die Frage, wor^aus diese Verwandschaft zu erken-nen sey.
Weil in jedem Ton die drey we-sentlichen Sayten, Tonica, Domi-nante und Mediante, am öfterengehört werden, folglich das Gehörgleichsam stimmen; so sind überhauptdie Töne verwandt, deren wesentlicheSayten in beyder Töne Tonleitervorkommen: wo aber eine oder meh-rere der wesentlichen Sayten des ei-nen Tones der Tonleiter des andernfremd sind, folglich ihr Gefühl aus-löschen, oder verdunkeln, da ist keineVerwandschast. So. sind dem TonLdur die Töne L dur, H mvl, Lmol, ? dtrr und I) mol verwandt.Denn keiner dieser Töne hat eine we-sentliche Sayte, die nicht in derTon-leiter des Tones Ldnr enthalten wäre.Hingegen sind demselben Tone L durdie Töne Li mol, ^ dur n. s. f. garnicht verwandt, weil die Terzen die-ser Töne nicht in der Tonleiter desLdnr liegen, folglich, da sie oft vor-kommen, das Gefühl dieser Tonleitergleich auslöschen.
Die Grade der Verwandschaft zuschätzen, muß man außer den Tonlei-tern der beyden Töne auch auf diesehen, die ihren Dominanten zuge-hören, weil man gar oft in einemTon den Accord seiner Dominantehören laßt. Daraus wird man z. ,B.sehen, daß L dur dem L dur naher,als Lmoll, verwandt ist, weil auchdie Dominante von L dur in ihrerTonleiter dem Ldnr naher kommt,als dicTonleitcr der Dominante vonL molk
, Wir haben an einem andern Orte *)einen Canon, oder ein Formular ge-geben, woraus man leicht für jedenTon die Grade der Verwandschast mitandern erkennen kann.
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Artikel Ausweichung ITH. S«-86.