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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
665
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Zeitlang gleich anhaltenden, Empfin-dung entstehet, so folget da, aus über-haupt, daß man den Werth, oderdie Echiklichkcit jeder Versart ausder Natur der Empfindung, oderLaune, die im Gedichte herrscht, de-urtheilen müsse. Beyspicle werdendieses begreiflich machen.

Wer blos lehren, oder zum bloßenUnterricht erzählen will, kann zwarvon seiner Maceric in einem Gradgerührt ftyn, daß er sie in gebunde-ner Rede vortragt, aber das Rhyth-mische derselben wird natürlicherWeise schwacher scyn, nnd der nnge-bundenen Rede naher kommen, alswemr er starker gerührt wäre. Daseine Rede mehr vom Verstände, alsvon der Empfindung geleitet wird, sowird wenig Gesang darin seyn. Zudergleichen Inhalr schiket sich dem-nach eine frcye Vcrsart. Die schwa-che Laune des Dichters wird ohnegenau bestimmten Rhythmus durchmetrische Gleichförmigkeit schon gc-nug unterstützt. Kürzere und län-gere Verse, wenn auch keiner demandern rhythmisch gleich wäre, kön-nen auf einander folgen. Aber imEylbcnmaaße wird, wo nicht eineganz strenge, doch eine merklicheGleichförmigkeit herrschen; sie wirdallemal ganz, oder eine Zeitlangjambisch, oder trochaifch fortstießen.Der epische Dichter, auch der leh-rende, der seine Materie schon mitgleich anhaltender Feyerlichkeit vor-tragt, fallt natürlicher.Weise aufeine schon mehr gebundene Sprache,und sucht schon mehr einen anhalten-den Rhythmus. Er spricht durch-aus, oder doch immer eine Zeitlangin gleichen rhythmischen Abschnitten.Von dieser Art ist imsre alcxandri-msche, nnd auch die griechische nndlateinische epische Versart, die inHexametern fließt.

Noch bestimmter und tiefer ist derlyrische Dichter gerührt, dessen Ma-

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terie selbst durchaus gleichartiger ist.Er äußert blos Empfindung, und al-les, was er sagt, entstehet nicht sewolaus Nachdenken, oder aus dem Ver-stände, als ans Empfindung. Dar-um ist ihm eine genauer abgepaßte,oder strengere Versart natürlich, die,wie wir von gleichem Rhythmus an-gemerkt haben, die Empfindung nichtnur unterhält, sondern verstärkt.Soll die Empfindung lang in einemTone fortgehen, so schiket sich diestrophische Eintheilnng vollkommengilt dazu, wie aus dem erhellet, waswir im Artikel vom Rhythmus überdie Tanzmelodien angemerkt haben.Denn starke Empfindungen pflegennicht lang anhaltend zu seyn, wennsie nicht immer neu unterstützt, odergenährt werden.

Der Odcndichter befindet sich schonin einer merklich andern Gcmüths-läge, als der ein Lied dichtet;*) dar-um ist es auch natürlich, daß dieVersart verschieden sey. In beydenFällen ist die strophische Emrhcilnngnatürlich; aber unter den zu einerStrophe gehörigen Versen wird imRede mehr Gleichförmigkeit ftyn,als in der Ode, weil das Lied einevollkommen gleich anhaltende Em-pfindung voraussetzet.

Diese Anmerkungen scheinen mirwenigstens aus der Natur der Sachezu folgen. Ob sie aber einer nochnahern Anwendung auf die Beschaf-fenheit der verschiedenen Versartcnfähig sey», getraue ich mir nicht zusagen. Niemand scheint fähiger zuftyn, diese Materie gründlich'auszu-führen, als unser Klopstok, wie dievon ihm bekannt aemachten Frag-mente über die Theorie des Vers-baues nnd der Versartcn hinlänglichbeweisen.

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*) Dieses ist im Artikel Lied gczcigetwerden.