Ton
und durchgängig authentisch verfah-ren müsse.
Man hat vieles für und wider diealccn Tonarten geschrieben, und demAnschein nach sind sie blos aus Man-gel der nachher eingeführten Toneeis, l)is ic. entstanden. Wennman aber die verschiedenen Würkun-gen erwagt, die jede Tonart aufbwEemüthcr und selbst auf die Sittender Alten gehabt, und die großeKraft, die sie noch heute in den Kir-chengesangen haben, so kann man siewol nicht dloS zufällig und mangel-haft nennen. Es ist unstreitig, daßdie verschiedene Lage der halben TöneL-O und tt-a jeder Tonart einenunterscheidenden Ausdruk giebt. DieForrschreitmigvon o <k «k in der joni-schcn Tonart hat vhngeachtet des hal-ben Tones eher etwas fröhliches alstrauriges; hingegen macht diesernämliche halbe'Ton die Quartenfork-schrcitung der phrygischen Tonartungemein traurig. Hierüberverdienet Prin; in seiner musikalischenKunstübung von der Quarre**) undQuinte D nachgelesen zu werden, derden verschiedenen Ausdruk der stufen-weisen Quarten - und Quintenfort-schreltuiig jeder Tonart nach derLage des darin vorkommenden hal-ben Tones mit vieler Scharfsinnig-keit bestimmt, und daraus den Ve-sonder» Ausdruk jeder Tonart imGanzen herleitet. Nach ihm ist diejonische Tonart lustig und mutlstg;die dorische ernsthaft und andächtig;die phrygische sehr traurig; die ly-dische hart und unfreundlich; dieMyrolydische maßig lustig, unddie aolische zärtlich und etwas trau-rig. Wir finden in der That, daßdieKicchengesänge, die uns in die-sen Tonarten übrig geblieben sind;völlig diesen Ausdruk haben, derdtneh eine der Tonart angemessene
*) S. System.
S.
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Tott Z4?
harmonische Begleitung noch vev--starkt, durch eine fremde neumo-difche Begleitung aber ganz ausge-löscht wird. Ueberhaupt herrscht inden alten Tonarten ein innerer denKirche gemäßer Anstand und Würde,der in den beydcn neuern Dur» undMolltonarten allein nicht zu errei-chen ist, ob sie gleich Abkömm-linge der jonifchen und aeolischen,uns die vollkommensten Tonarteltsind 5).
Daher sollten die übrigen alte«Tonarten in Kirchenmusiken nichtso gar aus der Acht gelassen, sonder«wenigstens mit den unsiigen verbun-den werden. Da wir durch unftserweitertes System, und durch dieden Alten unbekannten Semitoniettim Stande sind, jede Tonart in zwölfTöne zu versetzen, und dem Gesangseine der Tonart gemäße volle harmo-nische Begleitung zu geben, so wür-den die Kirchcntöne dadurch nocheine vollksmmncre Gestalt gewinnen,und von der größten Kraft seyn-Die vortrefflichen Präludien vssden Catcchismusgesangen des altenBachs, und viele Kirchenstüke diesesgroßen Tonkünstlers zeugen, welchesmannichfaltigen Behandlung undgroßen Ausdmks die alten Tonartenfähig feyn.
Viele Neuere, die keine andse, alsunsere Dur - oder MollroNart ken-neu, oder doch nicht für gültig er-kennen wollen, wögen versuchen, obsie im Stande ftyn, eine einzige ssvollkommene, ansöruksvollc und herz-angreifsnde Choralmelodie in unfernTonarten zu setzen, als es deren einsMenge in den etilen giebt. Unmöglichkönnen die melodischen Fortschrei-tungen, Modulationen und Cadcn-zen, die man in Opernarien undTanzstüken zu hören gewohnt ist. inder Kirche von Kraft und Anstand,und zu jedem Ausdruk der KircheMm - schik»
") S. Tonleiter»