Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
540
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wurküch oft wichtiger ist, als derInhalt selbst. Wer den Ton einerrührenden Leidenschaft zu treffen weiß,darf eben nicht sehr besorgt scyn, obdas, was er zu sagen hat, auchwürklch rühren werde; denn derbloße Ton wird diese Würkung schonthun.

Es ist demnach eines der nothwen-diasten Talente des Dichters, oderRedners, daß er den Ton, der in je-dem besoiidern Falle nörhig ist, zutreffen wisse. Dieses würde nichtschwer seyn, wenn der, der redet,oder dichtet, allemal von seinem In-halt ganz durchdrungen wäre. Wes.sen Gemürh würklich von Freude, oderTraurigkeit erfüllt ist, der wird auchden freudigen oder traurigen Tontreffen, wenn er seine Empfindungdurch Reden äußert. Aber wenn mansich auch in die Empfindung gesetzthat, so geschiehct es nur sehr selten,daß man bey Verfertigung einesWerks von Geschmak sich derselbenganz überlassen könne: das Nachden-ken, das gar oftnölhig isi, dem Vers,oder der Periode, die nicht wie vonselbst fließt, die gehörige Form zugeben, und was sonst in Absicht aufjeden Gedanken zu überlegen ist, dam-pfet dieWarme der Empfindung, undmacht, daß man dem Ton verfehlt.

Da es nicht möglich ist Regeln zugeben, durch deren Befolgung jederTon zu erreichen wäre, so kann hiernur durch Beyspiele gelehrt werden.Eine Sammlung auserlesener Stüke,darin der gehörige Ton vollkommengetroffen ist, würde dieses Studiumungemein erleichtern.

Wir können, ohne uns in großeWeitlaufrigkcitcn einzulassen, dieseMaterie hier nicht näher ausführen,Wünschen aber, daß jemand sich dieMuhe geben möchte, sie in einem ei-genen Werk abzuhandeln, da sie inper That höchlt wichtig ist. Manwird finden, daß der Ton Hauptsach.sich durch die Wvrtfügung, durch den

Gebrauch derNerbindungs-und Ans«rufungswörter, durch die Wahl derFiguren, Bilder und des Ausdruks,lind durch den Numerus bestimmtwird. Jeder dieser Punkte wird vonverschiedenen Gemüthslagen auchganz verschieden behandelt. Eine un-ruhige Gemüthslage beobachtet z. B.eine ganz andre Wortfügung, als ei-ne ruhige; braucht ungleich wenigerVerbindungswörtcr, als diese; undso in den andern Punkten. DieFeycr-lichkcit des epischen Tones wird oftblos durch den Gebrauch gewisserVerbindungswörter erreicht , derenBedeutung sich kaum anders, alsdurch ein etwas dunkeles Gefühl be-stimmen läßt. Mancher HomerischeHexameter erhalt durch dergleichenWörter, als a-ro-p, und man-cher Klopstokische durch die Wörter,Also, Und, Aber, Iyo, cincFeyer«lichkcit des Tones, die ohne dieseWörter nicht zu erreichen wäre.

Ton.

(Mahlerey.)

Ast der Charakter, das ist, das Sitt-liche oder Leidenschaftliche des far-bichten Lichts, das in einem Gcmähl-de herrscht. Daß in dem Colorir ei-nes Gemähldes solche Charaktere statthabew, fallt auch dem unachtsam-sten Menschen in die Augen. Derfürchterliche Himmel, der ein naheSGewitter verkündiget, und der lieb-liche Frühlingsmorgen, beweisen die-ses allzudentlich. Jener würkt Ernst,und dieser Fröhlichkeit. Die sanftin einander fließende Farbe einer Land-schaft bey schönem duftigen Herbst-wetter, kommt mit dem sanften undGefälligen einer Gemüthsart; hinge-gen die helle und etwas harte Hal-tung derftlbigen Landschaft im Som-mer, mit dem runden und geradenWesen eines Charakters ohne Zärt-lichkeit überein.

Wenn