Ton
Nach der sogenannten glcichschwe-benden Temperatur ') hätte man inder That nur zwey verschiedene Toneeinen nach der großen oder harten,und einen nach der kleinen oder wei-chen Tonart. Wir haben aber indem angeführten Artikel gejeiget,daß diese Temperatur, wenn sie auchauf Orgeln, oder Clavicren würklichangebracht wäre, in der Musik über-haupt nicht statt haben könne; weilweder die Sänger, noch die Violi-nisten sich nach derselben richten kön-nen, sondern in ihren reinen Fort,schreilungcn allemal andre Accordehervorbringen, als die, die nach dergleichschwebcnden Temperatur erfol-gen sollten. Es war also schlechter-dings nothwendig, eine Temperaturzu finden, in welcher jeder Ton dieIntervalle bekam, die durch reineFortschreilungen verschiedener Stim-men entstehen; und wir haben gezei-get, daß die Kirnbergerische Tempe-ratur so beschaffen sey.
Wenn wir also diese zum Grundelegen, so finden wir in der That,daß jede Sayte des Systems darinihre harte und weiche diatonische Ton-leiter hat, die sich bald mehr, baldweniger von andern unterscheidet.Einige dieser Tonleitern haben ihregroße Terz in dem Verhältnis; von 4,andre von ZA, noch andre von AA4;in der kleinen Tonart haben einigeihre Terz von Z, andre von undnoch andre vonAZAA; und dieser Un-terschied findet sich auch in den Sex-ten , Septimen und Secunden.
Da nun jede Sayte ihre eigene dia-tonische Tonleiter bekommt, die sichbald mehr, bald weniger von allenandern unterscheidet, so muß noch-wendig auch jeder Ton seinen eigenenCharakter bekommen, der gegen dieandern mehr oder weniger absticht.Verschiedene dieser Tone sind sichzwar bis auf einige Kleinigkeiten ähn-lich; andre aber unterscheiden sich*) S. Temperatur.
Ton 5Z5
merklicher von allen andern. Wirwerden an einem andern Orte Gele-genheit haben, in einer Tabelle allevier und zwanzig Tonleitern nach denwahren Verhältnissen ihrer Interval-le anzugeben, und ihre Differenzendeutlich vorzustellen *).
Man muß aber bey dieser Verglci«chung der Tone nicht blos die Tonlei-ter der Haupttöne, sondern auch ih-rer Dominanten, und überhaupt al-ler ihrer Ausweichungen gegen einan-der halten, um zu sehen, wie verschie-den auch der Charakter der Töne sey,in welche man zunächst ausweicht.Daraus kann man denn die Art einesjeden der vier und zwanzig Tone rich-tig kennen lernen. Diese Kenntnißaber dienet alsdann dem Tonsetzer,daß er in jedem besondern Fall denTon aussucht, der sich zu seinemAusdruk am besten schikt.
Damit man die Verschiedenheit dervier und zwanzig Tone nach den Ver-hältnissen der vorerwähnten Tempe-ratur, wenn in jedem derselben seinenatürliche Ausweichungen") und die'Dominantenaccorde mit begriffenwerden, mit einem Blik übersehenkönne, geben wir davon nach ihrerabnehmeudcnRcinigkeitfolgendeVor-stellung:
ZVurlono;E. Q. v. am reinsten.
L. ki. Ns. härter.
L. Eis. vis. ,Lis. am hartstm.
Molltöne:
L. kj. I). am reinsten,bis. (lis. (us. vis. weicher,c. cä. 1". !ä. am weichsten.
O ist der reinste Durton, weil aus-ser dreyen Donunamenaccordcn alleAusweichungen desselben rein sind;in L dur kommt schon ein härtererDominantcnaccord mehr vor; V duvwird durch die Ausweichung in^durLl 4 und
*) S. Tonleiter.
S. Agi-weichung I Th. S.-Sj.